Donnerstag, 1. Dezember 2011

Antarktis – the frozen continent

Hallo zusammen, 10 Tage Internet-freie Zeit sind jetzt zu Ende. Eine absolut beeindruckende Kreuzfahrt liegt hinter mir, die defintiv ein absolutes Highlight meiner Reise, wenn nicht meines Lebens sein wird. Ich habe jetzt die absolut schwere Aufgabe, das Erlebte so wieder zu geben, dass es dem gerecht wird… das mir dies defintiv nicht gelingen kann, habe ich am zweiten Tag vor Ort festgestellt: Ich habe abends gerade einen absolut faszinierenden Tag für mein Reisetagebuch beschrieben und musste feststellen, dass es sehr ähnlich zu dem klang, was ich über den ersten Tag geschrieben habe – das war es aber bei weitem nicht, mir fehlt schlicht weg das Vokabular.
Um euch nicht mit Details zu jedem Tag zu langweilen, versuche ich diesen Trip also etwas anders zu beschreiben. Und natürlich werden einige Fotos das Ganze noch untermalen, die Auswahl der richtigen Fotos war bei weitem nicht so einfach. Obwohl ich ingesamt NUR ca. 700 Fotos gemacht habe, manch einer hatte über 5.000 Bilder. Ich rede mir ein, die Antarktis auch mit eigenen Augen gesehen zu haben – nicht nur durch das Foto-Display.;)
Die Crew
Die Crew der Sergey Vavilov setzt sich aus dem Hotelpersonal, der Schiffsbesatzung sowie der Expeditionsteams zusammen. Auch wenn mich die Enge der Kabine einschließlich Etagenbett an meine Zeit bei der Bundeswehr erinnert hat (wie übrigens auch der tägliche Weckruf um 7 Uhr und die straffe Organisation), hatte der Aufenthalt hier auch was von einem 4-Sterne-Hotel. Freundliches Hotelpersonal, Sauna und Mahlzeiten im Überfluss. Der Knopf meiner neu erworbenen waterproofed Thermohose ging bereits am 3. Tag nicht mehr zu, etwas später machte auch der Reißverschlussprobleme – eine gut ausgeprägte Fettschicht ist überlebenswichtig in der Antarktis!!
Die Expeditionsteams sorgten in den ersten Tagen mit Vorträgen für Kurzweil, obwohl ich manchmal eingeschlafen bin, das lag aber vor allem an den Seekrankheitspillen, die in der recht unruhigen Drake-Passage allerdings sehr zu empfehlen ist. Insbesondere Jamie, mit seiner humorvollen Art und Damian, mit seinem erzählerischen Talent und witzigen Anekdoten standen hoch im Kurs. (Damian war als junger Wissenschaftler auf den Falkland-Inseln als der Krieg ausgebrochen ist und musste einen Monat mit 3 anderen in einer kleinen Hütte ausharren, sehr witzig. Oder, er hatte das Glück auf der MV Explorer zu sein, als diese 2007 in der Antarktis sank – Anekdoten vom Feinsten).
Die Mitreisenden
Der Großteil der Passagiere waren Amis, Fragen ala: Sehen wir Eisbären? Kann das Schiff sinken? Und Wirst du auch mal deine Lederhosen tragen? Waren am ersten Tag zu hören! Denen habe ich nicht selten den Eisbär an den Hals gewünscht, schade, dass es ihn in der Antarktis nicht gibt. Highlight: Kaum in der ersten Pinguin-Kolonie angekommen, wirft man sich in ein Nonnen-Dress und stürmt die Brutstellen, um Fotos zu schießen. Die Pinguine haben den Schwindel schnell bemerkt – könnte an den extra aufgespritzten Lippen der Lady gelegen haben.
Daneben gab´s aber auch eine ganze Reihe vernünftiger Menschen und einige Backpacker. Jason, indisch-stämmiger Ingenieur aus Florida, der nach der ersten Cougar-Attacke, älterer Single-Damen nur noch auf den Nickname „Brown Sugar“ hörte. Oder die malaysischen Brüder Ken und Wayne, mit denen ich wohl in der nächsten Woche durch den Nationalpark Torres del Peine wandern werde.
Die Route
Nachdem wir Montags Abends in Ushuaia ablegten, ging es erstmal einige Stunden durch den Beegle-Kanal. Kalte Nacht, klarer Sternenhimmel und die Silhouette der Anden-Ausläufer gegen den immernoch hellen Horizont. Danach zwei Tage Überfahrt durch die gefürchtete Drake-Passage vor Cap Horn, in der schon manches Schiff seine letzte Fahrt gemacht hat. Erste Wale wurden gesichtet, allerdings nicht von mir. Ich habe irgendwann im Augenwinkel einen Fisch aus dem Wasser springen sehen, beim zweiten Sprung wurde mir dann bewusst, dass es ein Vogel war – die ersten Pinguine begleiten uns! In der Ferne kreuzt ein Eisberg. Abends dann schneebedecktes Land: New Shettland Islands – wir sind da!
Am nächsten Morgen liegen wir vor Half Moon Island – blauer Himmel, keine Wolke. Eine Pinguin-Kolonie mit 3.000 Brutpaaren ist dort beheimatet. Mit dem Zodiac setzen wir über und setzen Fuß in die Antarktis. Die Pinguine lassen sich durch die „gelben Artgenossen“ nicht wirklich stören. Der Abstand von 5m wird durch uns durchweg eingehalten – den Pinguinen hat das aber niemand gesagt. Highlight: Ich setze mich etwas abseits des Weges und beobachte und die Viecher kreuzen nach einigen Minuten einfach meinen Weg und kommen bis auf Armlänge heran. Immer runter zum Strand, Kieselsteine für den Nestbau besorgen und wieder hochwatscheln. Manchmal wird der Weg bergab zu einer Rutschpartie genutzt. Auch auf der Insel, 3 Wedell Seals. Hätte nicht gedacht, dass die Viecher so groß werden.
Während wir Mittagessen wird neuer Kurs gesetzt: Deception Island, eine runde, immernoch vulkanisch aktive Insel, deren Bucht in der Mitte nur durch einen schmalen Eingang erreicht werden kann. Auf den Weg dahin sehe ich auch meine ersten Humpback Wale auf der Jagd nach Krill und wieder begleiten uns einige Pinguine. Eisschollen leiten uns den Weg zum Eingang der Bucht, noch ist nicht sicher, ob sie befahrbar ist oder ob noch zuviel Eis im Weg ist. Aber ganz langsam brechen wir durch die Eisblockade und bahnen uns den Weg.



Am schwarzen Vulkanstrand erwartet uns ein Empfangkommando Pinguine und ich stolper fast über eine weitere Robbe – als ich auf 2m dran war, hat sie sich bewegt, sonst hätte ich sie net erkannt. Am Ufer stehen noch immer antike Hütten aus der Wahlfang-Zeit, die jetzt als Museum dienen und langsam verrotten. Ein Wal pro Tag konnte hier in der Blütezeit verarbeitet werden. Noch immer sieht man einzelne Wahlknochen aus dieser Zeit am Strand. Am Ende steht für diejenigen, bei denen einige Schrauben locker sitzen, ein Bad im antarktischen Ozean auf dem Plan – die Beschreibung passt hervorragend auf mich.
Klamotten aus, kalter Wind forciert die Anstrengung sich zu beeilen, im Laufschritt über den kalten Sand, ersten Schritte im Wasser. Als es etwas tiefer als bis zu den Knien geht ein beherzter Satz und dann ganz schnell wieder rauskämpfen. Obwohl es ein aktiver Vulkan ist, hat das nicht wirklich Einfluss auf die Wassertemperatur, die um den Gefrierpunkt liegt (könnte an den Eisschollen liegen, die noch in der Bucht schwammen, ist aber nur eine Vermutung). Das Anziehen fällt schon schwerer und ab in den Zodiac - in dem ich fast erfroren wäre.
Am nächsten Morgen steht die Mickelson Bay auf dem Programm. Schlechtes Wetter und starker Wind verhindern aber, dass wir die Zodiacs ins Wasser lassen können (der einzig schlechte Tag). Wir weichen auf eine andere Bucht aus und haben 4 Stunden Schlauchboot-Fahrt vor uns. Gletscher, schneebedeckte Berge und immer wieder Eisberge in allen möglichen Formen.
Tag 3 in der Antarktis, wir ankern im Orne Harbour, einer Fjord-ähnlichen Bucht. Nach der Landung kämpfen wir uns die schneebedeckten Hänge hoch auf einen 300m hohen Hügel, der als Brutstätte für eine weitere Pinguin-Kolonie dient. Neben der wahnsinnigen Aussicht über den Fjord auf der einen Seite und über den Eisberg-durchzogenen, stillen, antarktischen Ozean auf der anderen Seite, sorgten Rutschpartien auf kleineren Hängen für die Highlights des Morgens. Mittags landen wir etwas weiter südlich.
Wieder steht eine Wanderung auf einen Hügel an, wir versinken manchmal mehr als knietief im Schnee und werden dabei von Pinguinen überholt, die ihre Nester auf der Anhöhe bauen. Naja, wir müssen nur einmal hoch, während die Jungs für den Nestbau mehrmals am Tag diesen Weg beschreiten dürfen.


Tag 4, es geht weiter Richtung Süden durch die Paradise Bay. Auf einzelnen Schollen sonnen sich Robben, während wir gemächlich an ihnen vorbeiziehen. Gegen Mittag plötzlich Aufregung, es wurden Orkas gesichtet und tatsächlich eine Gruppe von 5-6 Orkas tummeln sich in einiger Entfernung zu unserem Schiff. Verdammt hübsche und intelligente Delfine! Auffällig war, dass auf unserem weiteren Weg keine Robben mehr auf Eisschollen gesichtet wurden. Ich verbringe die Zeit weitestgehend mit Karten schreiben, denn gegen Mittag laufen wir Port Lockroy an – eine britische Base mit eigener Poststelle. Bin gespannt wielange die Auslieferung benötigt. Port Lockroy ist recht windgeschützt, besteht aus drei Hütten auf einer kleinen Insel, die teilweise heute als Museum dienen.
Die Besatzung verbringt den antarktischen Sommer bis etwa März hier, etwa ein Schiff pro Tag macht halt. Neben einzelnen Forschungsprojekten ist die dringlichste Aufgabe der Erhalt der Station. Eine der 4 Mitglieder (übrigens 3 Mädels) ist Ylva, gebürtige Marburgerin.
Tag 5 in der Antarktis, eine weitere Landung in … steht auf den Programm. Wieder Pinguine und Robben. (JA, es war wieder beeindruckend, aber wie soll ich euch den Unterschied der einzelnen Orte nur beschreiben?) Sowie ein kurzer Zodiac-Trip bei traumhaften Bedingungen, die letzte Exkursion in der Antarktis. Bei der Rückfahrt zum Schiff kommt etwas Wehmut auf. Danach setzen wir wieder zurück durch die Paradise Bay Richtung Drake Passage. Wieder begegnen uns die Orkas. Ein junges ist dabei. Einmal taucht ein altes Männchen keine 10m vom Schiff entfernt auf. Wahnsinn!!


Die nächsten beiden Tage verbringen wir wieder auf hoher See. Seekrankheitspillen, Vorträge, Karten spielen usw. Auch wenn ich ursprünglich dachte, ich habe genug Zeit, den Trip zu beschreiben, ist kaum eine freie Minute verfügbar. Mittwochs kommen wir Cap Horn recht dicht. Die Drake-Passage zeigt sich wieder von ihrer besten Seite. Die letzten Stunden liegen vor uns, am Donnerstag Morgen legen wir wieder in Ushuaia an.


Tierwelt
In den 5 Tagen vor Ort haben wir so ziemlich jedes Tier gesehen, was wir sehen konnten, wenn manchmal auch nur aus der Ferne. Weddel Seals, Crabeater Seals und einmal auch einen Leopard Seal auf der Jagd nach Pinguinen – leider nicht erfolgreich als wir vor Ort waren. Wir haben Humpback Wale und Orkas auf der Jagd gesehen. Jede Menge Seevögel, die um unser Schiff rumgesegelt sind und natürlich Pinguine… Immer wieder Pinguine! Wir haben drei verschiedene Arten ausgemacht, obwohl in der Gegend eigentlich nur zwei vorkommen.
Ein Macaroni-Pinguin hat sich in der Kolonie geirrt, könnte ein lausiger Sommer für ihn werden. Kaum zu glauben, aber irgendwann verlieren die pusierlichen Tierchen ihren Reiz. Ganz nach dem Motto von Jamie: Pinguine sind nur zu einem Nütze – als Seeleoparden-Futter! Irgendwann hofft man auch, dass die Skuas Erfolg haben und ein Pinguin-Ei erwischen, um noch ein spannendes Foto zu schießen. Apropos Skuas, etwa 1/3 bis die Hälfte des Nachwuchses eines Jahres fallen diesen Vögeln zum Opfer.

Momente in denen man sich klein fühlt
In der Antarktis hat man an jedem Tag Momente, in denen man sich einfach nur winzig fühlt. An einem Tag sehen wir einen Eisberg, der locker 30 Mal so groß war, wie unser Schiff. Die Gletscher, von denen täglich Eisstücke ins Meer stürzen, haben ein enormes Ausmaß.

...unten rechts (kaum zu erkennen unser Schiff)


Die Fjorde in denen unser Schiff aussieht wie Playmobil.
Und nicht zuletzt nach dem Bad im kalten Wasser fühlt mann sich extrem klein ;). Nachdem ich mich endlich angezogen hatte, musste ich noch 10 Minuten im Zodiac warten – als ich es unter die Dusche geschafft habe, waren meine Zehen bereits blau und selbst das kalte Wasser war zunächst noch zu warm.

Erkenntnisse
Pinguin-Kolonien erkennt man zunächst an ihrem braunen Untergrund – die Tier leben in ihrer eigenen Scheiße. Kurz danach riecht man sie! Soo knuffig sind sie dann doch nicht mehr. Ach egal, wenn sie rumwatscheln sind sie doch einfach nur süß und pummelig.



Pinguine bauen ihre Nester auf Anhöhen, da die als erstes eisfrei sind – dafür müssen sie aber umso weiter tapsen, um die Kiesel für ihre Brutstätten zu transportieren. Oder, sie klauen sie einfach bei ihren Nachbarn.
Wir hatten verdammtes Glück: Unser Schwesterschiff, die Sea Spirit, war 3 Stunden nach uns in Deception Island – aufgrund starker Winde, die die Eisschollen zurück Richtung Bucht drückten, saß sie für 2 komplette Tage fest!
Die Antarktis ist ein unwirklicher Kontinent, fesselnd, faszinierend, den Atem nehmen – mir jedenfalls fehlen die Worte es zu beschreiben...

Montag, 14. November 2011

Das Ende der Welt

…"von jetzt an geht es nur noch nach Norden" – wie sehr ich mich doch irren sollte. Nun, in den letzten Tagen war es etwas still um mich, das hatte seine Gründe. Freitag morgen bin ich mit der festen Absicht ein Busticket zu kaufen, ins Zentrum marschiert. Auf der Suche nach dem Reisebüro hab ich mich etwas schwer getan und ein Passant half mir weiter, nicht ohne mir zu sagen, dass es ein wesentlich günstigeres an einer anderen Stelle gebe. Ob er mich dort nur hingeschickt hat, weil Bekannte dort arbeiten, weiss ich nicht, jedenfalls meinte es das Schicksal gut mit mir. Am Eingang die auf Papier geschriebene Notiz „Last Minute Antartica“. Also was soll´s fragen wir nochmal nach und tatsächlich: Verdammt günstig (ich hab nen Wisch unterschrieben, dass ich den Preis nicht verraten darf)! 10 Tage! Beginn am Montag! Ich habe nicht wirklich lange drüber nachgedacht. Also den Ausflug in den Nationalpark ausfallen verschoben, allerlei Formulare ausgefüllt und den ganzen Tag mit einem breiten Grinsen durch die Gassen gelaufen! 10 TAGE ANTARKTIS – ich kanns immernoch nicht wirklich glauben! Samstag bin ich dann immernoch grinsend durch die Gassen gelaufen. Zwei paar Handschuhe, Thermohose, Thermojacke, Thermounterwäsche, Wollsocken und Mütze gekauft, ein halbes Vermögen ausgegeben, aber egal! Muss mal schauen, wie ich das Ganze danach in die Heimat bekomme.
Nachdem der Samstag für Shoppen drauf ging, stand Sonntag der Nationalpark auf dem Programm. Im Bus ein holländisches Pärchen getroffen – Anita und Sander (?). Man stellt fest: Ich treffe nur auf Holländer. Aber wie alle Holländer (außer die im Campingwagen auf unserer Autobahn;) ) super witzig drauf und kein Verständnis für Fussball – er hatte doch unterschwellig tatsächlich die Hoffnung, dass Holland bei der EM etwas reißen kann? Naja, war wohl dem Tag in der prallen Sonne geschuldet, was mich wieder zum eigentlichen Thema zurückführt.
Der Bus setzt uns als an einer Bucht am Beagle-Kanal ab, blaues Wasser, blauer Himmel und immer noch schneebedeckte Bergspitzen im Hintergrund. Die nächsten 4 Stunden geht es auf kleinen Pfaden von Bucht zu Bucht. Vorbei an knöchrigen, alten Bäumen, denen Wind und Salzwasser in den Jahren zugesetzt haben, befallen von Flechten und Pilzen. Manchmal über morastigen Untergrund werden kleinere Hügel erklommen. Die Buchten laden zum Rasten ein, der strahlende Sonnenschein tut sein übriges. Solange der Wind nicht bläst, ein perfekter Frühlingstag in den Bergen – mit Blick auf Miesmuschelbänke im flachen Meerwasser… Unbeschreiblich.
Am frühen Nachmittag geht es landeinwärts. An einem langsam fließenden Fluss, der zum Forellen angeln einlädt, kommen wir an einem Campingplatz vorbei. Es ist Sonntag, Familien genießen den Frühling – während uns von überall Grillgeruch entgegen weht, hoffe ich, dass auch ich bald was zum Essen auftreibe… Der Geruch von frischem Fleisch macht einen besonders wahnsinnig, wenn man bereits Hunger hat. Wir finden ein Bistro-ähnliches Restaurant und machen es uns in der Sonne bequem. Um uns herum Falken auf den Bäumen, die angesichts von Fleischresten im Überfluss wohl etwas faul geworden sind. Durch die Bäume hindurch glitzert der Fluss in der Sonne. In der Ferne gehen einige Fliegenfischer ihrem Hobby nach. Lediglich die penetrante Musik aus den Autolautsprechern stört die Stimmung.
Zwei Stunden vergehen recht schnell, wir werden vom Bus abgeholt, der uns noch durch andere Gegenden des Nationalparks kutschiert, während wir weitere Wanderer aufsammeln. Der Fahrer meint es etwas gut mit uns und sorgt für die Beschallung im Wagen – feinste argentinische Schnulzen-Schlager und das immer wieder. „Te necesito como la luz del sol“, den Ohrwurm hab ich immernoch (Hören auf eigene Gefahr: Te necesito von Amaral & Beto Cuevas! Ja ich habe es geyoutubed). Und doch weckt es eine gewisse Sehnsucht, während wir auf der staubigen Piste nach Ushuaia fahren. Mit der Schläfe am kalten Fenster die letzten Blicke auf die vorbeiziehende Landschaft - es gibt noch weitere Paradiese...
In Ushuaia angekommen, bin ich natürlich viel zu spät zum Vorbereitungstreffen für die Kreuzfahrt. Also, ich hab ein Namensschild, es waren augenscheinlich viele jüngere Leute anwesend (die Alten waren wohl pünktlich). In meinem B&B angekommen auf ein französisches und – oh Wunder – auf ein weiteres holländisches Pärchen getroffen. Bei Rotwein und Empanadas bis spät gequatscht. Jetzt geht´s ans Packen… Montag noch Bücher und Ersatzbatterien kaufen und dann geht’s schon los – ihr werdet also eine Weile auf mich verzichten müssen.

Donnerstag, 10. November 2011

Hoch hinaus

Nach einer sehr ruhigen Nacht im Einzelzimmer (das ist Luxus!) hat meine Vermieterin festgestellt, dass sie mir doch noch für zwei Nächte ein Zimmer anbieten kann. Mit der Gewissheit im Rücken, untertägig nicht umziehen zu müssen, wurde mir ein Taxi bestellt, welches mich an der Talstation des Glacier Martial absetzen. Bei bitterstkaltem Wind versuche ich mich an der Gipfelbesteigung. Unterwegs begegneten mir vermeintliche Profis… gut zu erkennen an ihren Walking-Stöcken und den mitgebrachten Wasserflaschen, teilweise auch Steigeisen!
Ich sparte mir diesen unnötigen Ballast, Wasser gabs aufgrund der Gletscherschmelze ja ohnehin genug unterwegs. Es war jedoch so kalt, dass mir beim Trinken direkt die Hände abgefroren sind. Nachdem ich bei ca. 600m das erste Schneefeld überwunden habe, ging es auf Geröllpisten im Zick-Zack-Stil steil nach oben. Die Anstrengung machte sich bemerkbar, ich konnte mich trotz der Kälte und Schnee der vom Gletscher hergeweht wurde von der dicken Jacke trennen und zu den sanften Klängen der umgebenden Natur mischte sich von irgendwoher ein menschliches Keuchen.
Vor mir waren zunächst noch die beiden Profis mit Wanderstöcken, von denen einer jedoch bald umdrehte – Weichei! Mangelnde Ausrüstung kann durch eine gehörige Portion Selbstüberschätzung schließlich wettgemacht werden! Am Gipfel noch ein kurzes Erinnerungsfoto schießen lassen und alsbald wieder zum Abstieg bereit gemacht. In dieser extremen Höhe (900m) muss man schließlich jederzeit mit einem Wetterumschlag rechnen… Bergab war auch nicht gerade ein Zuckerschlecken. Auf der Geröllpiste kann man entweder stehen oder man fängt irgendwie dann doch an zu rennen, während um einen herum die Steine vorbeikullern.
Als schlussendlich an der Talstation kein Taxi verfügbar war, entschied ich mich den Weg zu Fuss weiterzugehen. Bergab der Straße entlang. Bereits in der zweiten Kurve bietet sich die Möglichkeit über eine kleine Brücke in den angrenzenden Wald zu gelangen. Ich erinnerte mich gelesen zu haben, dass auf diesen Schleichwegen die Chance besteht auf Horden von wilden Hunden zu treffen, hab mein Taschenmesser also mal Griffbereit in die Jackentasche gesteckt.

Der zunächst relativ breite Weg führte mich durch einen sehr mystisch anmutenden Wald mit verknöcherten, von Flechten zugewucherten Bäumen. Der iPod sorgte für Beschallung auf dem einen Ohr und bei „Aqueous Transmission“ macht sich das Gefühl der völligen Tiefenentspannung breit. Der Weg wurde mit der Zeit schmaler und irgendwann gings nur noch durch das Unterholz und man konnte lediglich ahnen, dass hier mal Leute entlang gelaufen sind – später konnte man nicht mal mehr das. Klar, man hätte umdrehen können, aber was hinter mir lag, hatte ich ja bereits gesehen. Nachdem ich mich mehrfach im feuchten Gestrüpp auf dem Boden wiederfand, kam ich an einen Bachlauf. Um auf die andere Seite zu gelangen, bot sich ein glitschiger Baumstamm geradezu an. Sicherheitshalber zunächst gecheckt, ob ich Empfang habe, wäre äußerst blöd hier liegen zu bleiben. Die Überquerung erwies sich im Nachhinein dann doch etwas leichter als erwartet und drüben angekommen, gings noch 20m durchs Gestrüpp und siehe da: ein ausgewiesener Trekking-Pfad – man kann es sich auch unnötig leicht machen.
In der Stadt angekommen drei Empanadas als Quick-Lunch und weiter Richtung Hafen. Die geplante Bootstour musste dann aber leider ausfallen, da sie bereits ausgebucht war. Ab ins historische Museum im alten Gefängnis. Um 1905 rum mussten sich die Häftlinge ihr eigenes Gefängnis bauen und das am Arsch der Welt – dumm gelaufen! Heute dienen die einzelnen Zellen als Ausstellungsräume um Einblicke in das historische Ushuaia zu erhalten und um das Leben der Yaghan, eines von zwei Naturvölkern auf der Insel darzustellen. Die Jungs lebten hier für 1.000 Jahre, Charles Darwin hat sie gesehen und hat in ihnen das lange gesuchte Missing Link vermutet, also anders ausgedrückt – er hat sie nicht für Menschen gehalten. Als Darwin hier aufkreuzte hatte er bereits einen der Bewohner mit an Bord. Jahre vorher kam man auf die glorreiche Idee ein Paar Yaghan in London zu zivilisieren – sprich sie wurden entführt. Einer von ihnen wurde unter dem Namen Jemmy Button weltbekannt, und wurde Vorbild für eine Figur, die Anhänger der Augsburger Puppenkiste zu Genüge kennen… Eine Insel mit zwei Bergen… Das Zivilisieren hat Partiell auch geklappt, Jemmy hat allerdings dann im reiferen Alter ein kleines Massaker angerichtet – davon erwähnt die Puppenkiste aber nix. Naja, das Schicksal der Yaghan ist geradezu tragisch. Um sie vor der Kälte zu schützen, gab man ihnen Kleidung, da diese aber bei dem Wetter nur langsam trocknet und Hort für Krankheitserreger war dauerte es keine 150 Jahre und das Volk war ausgerottet. Heute spricht nur noch ein Mensch diese Sprache.
Nachdem ich mich kulturell etwas weitergebildet habe, nutzte ich das bombastische Wetter für einen Rundflug in einer kleinen Piper. Schneebedeckte Gipfel meilenweit, ich Versuch gar nicht erst die Eindrücke zu schildern. Die letzten 10 Minuten durfte ich dann Hand ans Steuer legen, kann ja nix passieren – die Landung wurde mir dann aber doch nicht zugetraut. Genug für einen Tag.



Am nächsten Tag zunächst ausgeschlafen. Nach dem Mittagessen mit einem holländischen Pärchen gings zum Almacon Rames Generales, einem antik-eingerichteten Cafe. Es war bereits Nachmittag, also stand dem Genuss der ersten Biere nichts im Weg. Hier unten brauen sie tatsächlich verschiedene Biersorten. Da ich nicht genau wusste, welches das am Südlichsten gebraute Bier war, musste ich auf Nummer Sicher gehen und alle testen. Der Geschmack war interessant, etwas rauchig. Ein Bier was man im Urlaub trinken kann – importieren werde ich es sicher nicht. Vorm Bootstrip noch bei zwei Reiseagenturen vorbeigegangen. Wollte noch herausfinden, ob ich mir eine Antarktiskreuzfahrt gönne – wenn man schon mal da ist. Ernüchterung! Unter 4.500 Euro für 2 Wochen kommt man nicht ran. Dies ist über der Schmerzgrenze, das Geld wird in Caipi investiert!

Auf dem Katamaran einen Traveller aus den USA kennengelernt. Adam Siegel, jüdisch, Bienenforscher und gerade seinen Doktor in Biologie gemacht. Interessantes Thema: Fortpflanzungsorgane bei Hummeln. Noch ein Hummel-Killer in meinem Bekanntenkreis! Nach seinen Trip geht’s nach Jerusalem. Morgen geht’s mit ihm in den Nationalpark – hoffentlich gibt’s da keine Hummeln! Armen Viecher! Auf dem 4-Stunden-Trip über den Beagle Kanal neben Vögeln auch Seelöwen und Pinguine besucht. Die Kolonie ist aktuell noch nicht so groß. Aber die paar die da waren sorgen schon direkt für ein Schmunzeln auf den Lippen – „Madagaskar“ lässt grüßen.
Aktuell befinden sich nur Männchen auf der Insel. Sie sind die Vorhut die meisten anderen Männchen und die Weibchen kommen erst später nach (alleine würden die Mädels wohl kaum den Weg finden, man stelle sich nur vor, die biegen einmal falsch ab?“). Für Eifersucht ist kein Platz, als Pinguin lebt man monogam. Zuhause angekommen schnell meine Sachen zusammen gepackt, morgen früh zunächst klären wohin es als nächstes geht (wahrscheinlich Puerto Natales in Chile) und nen Bus für morgen abend klarmachen. Danach in den Nationalpark. Von jetzt an geht’s nur noch nach Norden...

Dienstag, 8. November 2011

...nochmal Glück gehabt!

Es ist Dienstag Vormittag und obwohl der Tag noch recht jung ist, bin ich um einige Erfahrungen reicher. Da wäre zum einen die Erkenntnis, dass man sich vorher um ein Zimmer kümmern sollte, wenn man vor hat ans Ende der Welt zu reisen. Bei einem Check von Hostelworld stellt sich raus, dass kein Hostel verfügbar ist! Aber der Flug ist gebucht, also mach ich mich auf den Weg, wird schon schief gehen. Apropos schief gehen, die zweite Erkenntnis ist, dass man hier Flüge buchen kann, die Confirmation bekommt, aber dass das noch lange nicht heisst, dass man tatsächlich bezahlt hat. Beim Check-Inn wies man mich freundlicherweise noch darauf hin, dass ich das unbedingt noch nachholen müsse. Glück gehabt, die Reservation war noch verfügbar…
Der Tag hat echt Potenzial. Beim Boarding festgestellt, dass ich in der Business Class untergekommen bin – das entschädigt doch ein bisschen für die strapaziösen Lufthansa-Flug.
Der Tag wird besser. Der Landeanflug auf Ushuaia ist einfach unbeschreiblich. In dem Moment wo man unter die Wolkendecke sticht, ist man von Schnee bedeckten Anden-Gipfeln umringt. Später hat man den Blick auf den zerklüfteten Beagle-Kanal. Die Trostlosigkeit Feuerlands hat was faszinierendes. Der als „modern“ beschriebene Flughafen mutet von innen eher wie ein altes, hölzernes, englisches Landhaus an.

Nachdem ich der Taxi-Fahrerin mein Problem geschildert habe, hat sie mich zu einem B&B gebracht und tatsächlich, für heute Nacht bin ich versorgt. Ein Mütterchen, Monica, hat im Bademantel die Tür geöffnet, war wohl etwas überrascht. Seitdem ihre Kinder weggezogen sind lebt sie allein mit ihrem Hund Frodo (da er blind ist knallt er manchmal gegen Türen) und vermietet die Zimmer an Reisende. Das Zimmer hat einen guten Komfort, hier würde ich es etwas länger aus halten. Wir unterhalten uns in Spenglisch, ab und an hilft der Google Translator. Während ich mich mit zwei Algeriern unterhalte – Kahlerras reist mit seiner Tante durch Argentinien, was für die beiden deutlich mehr organisatorischen als auch finanziellen Aufwand bedeutet als für mich – bekomme ich frischen Mate und gute Neuigkeiten… Monica hat mir für 2 oder 3 Nächte bei ihrer Bekannten ein Zimmer organisiert. Ich sag doch, der Tag hat Potenzial. Obwohl es deutlich länger hell bleibt als in Buenos Aires kann ich den Tag kaum nutzen – der Regen prasselt unaufhörlich auf das Wellblech-Dach. Was soll’s! Ich soll mir keine Sorgen machen, das Wetter wechselt hier schneller als irgendwo anders. Bedeutet für mich also Pläne schmieden für morgen und die nächsten Tage. Werde morgen mal checken, ob ich mir hier etwas Besonderes gönne, hoffe es klappt;)

Colonia - ein Tag in Uruguay


Alte Fahrzeuge säumen die
Kopfsteinpflasterstraßen
 Die Nacht war recht kurz – um 08:30 Uhr sollte mein Schiff nach Colonia, Uruguay gehen. Glücklicherweise hatte ich am Vorabend noch ein kurzes Gespräch mit anderen Reisenden, die mich darauf aufmerksam machten, dass ich besser eine Stunde vorher am Abfahrtsort aufkreuzen sollte, um die ganzen Ein- und Ausreiseformalitäten zu klären. Und so machte ich mich dann bereits um 7 Uhr zu Fuss auf den Weg durch die Stadt in Richtung Puerto Madero, wo eine lange Schlange vor BUQUEBUS auf die Abfertigung wartete. Die Formalitäten werden sehr effektiv gehändelt. Der argentinische Beamte schaut sich den Pass an, wenn alles okay ist gibt er ihn an den uruguayanisch Beamten, der direkt neben ihm sitzt, weiter – der seinerseits nochmals genaustens prüft… Naja, von der Überfahrt habe ich nicht viel mitbekommen, da ich recht zügig wieder in den Schlaf geschaukelt wurde.


Das alter Stadttor...
 Colonia an sich ist ein malerisches, verschlafenes Küstenörtchen, welches vor einigen Jahren zu Recht in den Status des UNESCO-Weltkulturerbes gehoben wurde. Von der Anlegerstelle geht’s direkt rechts über Kopfsteinpflaster in Richtung Altstadt. Durchs Stadttor hindurch und die alte Stadtmauer gemächlich entlang wandernd, relaxt man recht schnell. Später die Fortbewegung so weit perfektioniert, dass selbst Rentner an mir vorbeigedüst sind…






Unweit eines der beiden Parks ein leichtes Mittagessen eingenommen. Zu den Ravioli dann ein Bier bestellt – man hätte wissen sollen, dass in Uruguay die 1-Liter-Flasche der Standard ist. Hilft halt kein Meckern. Der frühen Nachmittag dann zumeist entweder durch die Straßen geschlendert, oder in einem der beiden gemütlichen Parkanlagen gelesen. Zum Abschluss dann noch den alten Leuchtturm erklommen, der in einer Zeit gebaut wurde, als die Menschen definitiv noch kleiner waren – aber auch die Beule am Kopf vergisst man, bei einem Blick über die Altstadt.


Kurzum, Colonial ist eine schöne Abwechslung zur Großstadt, aber ein halber Tag reicht hierfür absolut. Nach der Ankunft im Hostel versuche ich aktuell für die morgige Nacht in Ushuaia eine Übernachtungsmöglichkeit aufzutreiben. Bislang leider noch keine Nachricht erhalten. Aber die Nächte dort sind mit 4 Grad aktuell verhältnismäßig mild.;)


 Beim obligatorischen Abendessen zum ersten Mal enttäuscht worden – bin wohl beim Versuch etwas neues auszuprobieren an Innereien gelangt… Dachte, die werden hier standesgemäß nur an Hunde verfüttert. Naja, morgen wieder. Wenn schon kein Hostel sollte ich doch zumindest nen Restaurant auftreiben können.

Sonntag, 6. November 2011

Buenos Aires – Tigre – Evita – Assado

Nach 2 Tagen Wanderschaft bei strahlendem Sonnenschein setzte am Freitag morgen regen ein. Nicht, dass es den ganzen Tag geregnet hätte, aber wenn es los ging dann richtig! Also immer in der Nähe von Pubs aufhalten und auf der Florida Road (Fussgängerzone) sich ein Handy und eine lokale SIM-Karte beschaffen. Recht bald wurde mir ein ansprechender Flyer für ein Irish Pub in die Hand gedrückt und ich wurde quasi direkt mit rein gezerrt. An sich ein recht ansprechender, wenn auch leerer Laden in dem ich nicht unbedingt länger verweilen wollte.
Als dann sofort ein Drink kam, den ich nicht bestellt hatte, fand ich die Sache schon komisch. Zwei Mädels, die sich zu mir setzten (und die ich auch nicht bestellt hatte), schürten dann doch erheblich den Verdacht, dass das kein normales Pub war. Mein Versuch zu gehen wurde jäh unterbrochen – ein recht stattlicher, tättowierter Bar-Keeper erklärte mir, dass ich meinen Drink sehr wohl bestellt habe und obendrein auch die beiden Damen zu ihren Cocktails eingeladen habe. Ich meinerseits konnte ihm wiederum glaubhaft versichern, dass ich abends für die Massage zurückkommen werde und konnte den Preis der Getränke deutlich auf knapp 20 Euro senken.
Anschließend ging es weiter nach Puero Madero, einem eher nobleren Wohnviertel mit netten Bars am Hafen. Da der Regen wieder einsetzte war es Zeit fürs Mittagessen. Mit mir am Tisch saß ein Deutscher, der das Glück hat, für einen Mittelständler geschäftlich in die Hauptstädte Südamerikas zu tingeln - er schwärmte von seinem letzten Malle-Urlaub.
Abends dann mit Astrid und Laura in ein Steak-Restaurant gegangen, welches uns bereits am ersten Tag aufgefallen ist – schmiedeeiserner Grillrost, bestückt mit Rinderhälften überm Kohlfeuer. Die Masseusen die ich im Irish Pub versetzt habe, werden es mir hoffentlich verzeihen – das Bife war einfach saftiger. Ein ursprünglich im Anschluss geplanter Salsa-Abend wurde dann aber einvernehmlich gecancelt, die Bewegungsfreiheit nach dem Essen war doch sehr eingeschränkt.
Am Samstag morgen ging’s mit Subway und Zug wieder recht früh raus ins Tigre-Delta – einen Rückzugsort für die Hauptstädtler. Wenn man vom Geruckel der Eisenbahn nicht in den Schlaf geschaukelt wird, erreicht man einen europäisch anmutenden „Badeort“, mit diversen Kajak- und Ruder-Clubs. Das Ufer ist gesäumt von unzähligen kleinen Geschäften und Boutiquen in denen man ein Gefühl für die Zeit recht schnell verliert.
Vor der Rückfahrt noch etwas Kultur. Das kleine, aber absolut sehenswerte, Mate-Museum hat es mir echt angetan. Dem Inhaber merkt man regelrecht an, dass er mit Herz bei der Sache ist. Über 2.000 Exponate rund um Mate säumen die drei Ausstellungsräume. Beim anschließenden Mate-Umtrunk wurde uns das Ritual näher gebracht – grundsätzlich wird das Gebräu nur mit Freunden getrunken und dient quasi als Friedenspfeife. Anschließend musste ich selbstverständlich meinen eigenen Mate-Kürbis käuflich erwerben.
Auf dem Rückweg noch mit Ariel – einem Couchsurfer aus Buenos Aires – verabredet. Gemeinsam ging es auf den Friedhof in Recoletta, wo einige der berühmtesten Söhne und Töchter der Stadt, u.a. Evita, begraben liegen. Mir fällt es schwer, die Stimmung zu beschreiben, wenn man durch die meterhohen Grabmonumente flaniert und bei einem Blick in die Gruften nicht selten die Särge in Griffweite sieht. Abends dann noch ein paar Bierchen getrunken und eine eher miese Nacht erlebt – hätte wohl den Salat zum Steak weglassen sollen.
Trotzdem ging es am nächsten Morgen wieder recht früh raus, um mit einem Combi nach San Vicente zu fahren. Esteban und Luciana – Freunde eines Arbeitskollegen – haben mich zu einem Assado in ihr Wochenend-Haus 60km südlich der Hauptstadt eingeladen. Während ich am Tor der Housing Area auf die beiden wartete, kam ich ins Gespräch mit der Security – der Einladung zum Mate bin ich natürlich gefolgt.

Im wunderschön gelegenen Haus meiner Gastgeber haben wir dann ein abwechslungsreiches Assado vorbereitet. Das Essen verlief dann dreisprachig, da Esteban vor längerer Zeit insgesamt 12 Jahre in Deutschland verbrachte. Extrem vollgefuttert – 7 Fleischsorten mussten getestet werden, habe ich dann einen sehr entspannten Nachmittag mit den beiden verbracht. Nochmal einen riesen Dank an der Stelle!! Nach meiner Rückkehr in die Hauptstadt bin ich dann noch in eine Parade geraten. Scheinbar ein religiöses peruanisches Fest, bei dem die Teilnehmer rückwärts durch die Straßen laufen. Die Luft war erfüllt von frisch gegrilltem – ich hatte immernoch keinen Hunger… Mein Interesse an den weiteren Hintergründen daher sehr begrenzt.

Donnerstag, 3. November 2011

Ersten Tage in Buenos Aires

...ich gönn mir Luxus - ich flieg Lufthansa... dachte ich mir! Naajaa, beim Check-in zwei Stunden vor Abflug hatte ich noch die Auswahl zwischen 4 Plätzen und geistesgegenwärtig hab ich mir den schlechtesten ausgesucht: Außenreihe, Mittelplatz ohne die Möglichkeit den Sitz nach hinten zu lehnen - aber hey, waren ja nur 14 Stunden Flugzeit. Dementsprechend war ich bei der Ankunft heute Morgen entsprechend fit. Auf dem Flug eine Holländerin mit schweizer Akzent kennengelernt. In ihrem Hostel in Montserrat war noch n Bett frei, hat also gepasst. Um dem Jetlag entgegenzuwirken hilft ein gehaltvolles Frühstück.. Und da ich auf lokale Köstlichkeiten schwöre, durfte es schon mal ein schmackhaftes Tenderloin-Steak sein... Das Foto dieses Steaks muss nachgereicht werden, bin noch nicht im Urlaubs-Mode und hab doch glatt meinen Foto im Hotel liegen lassen...
Hat sich dann auch ganz gut gemacht, auf ner Stadtrundfahrt. Stellt euch an dieser Stelle einfach kulturell hochwertige Architektur vor, die ich ganz sicher auch fotographiert hätte...

Abends sind wir zu einem Couchsurfer-Meeting nach Palermo. Es sollte eine Calabresa-Pizza zum Essen geben. Calabresa ist eine Salami-Sorte, die es mir bereits in Brasilien echt angetan hat. Die Worte der Bedienung "no hay calbresa ahora" sorgten dann aber doch für eine kleine Enttäuschung. In der CS-Gruppe kam nach anfänglichem "Abtasten" deutlich mehr Stimmung auf, als ich nebenbei das glorreicher 4:0 der deutschen Nationalmannschaft bei der letzten WM erwähnt habe - man muss nur wissen, wie man sich Freunde macht. Um 23 Uhr war dann aber Schicht im Schacht, die Müdigkeit hat ihren Tribut gezollt und trotz 8er Zimmer im Hostel konnte ich durchschlafen - mich hätte auch nicht wirklich irgendwas wach gekriegt.
Heute morgen habe ich dann die Entscheidung gefällt, ein paar Tage länger in Buenos Aires zu verbringen und Uruguay nur einen 1-Tages-Besuch (wahrscheinlich am Montag) abzustatten. Die Stadt ist einfach zu groß - das wurde mir im Tagesverlauf bewusst. Heute stand irgendwie alles im Zeichen von Parks. Zunächst der Botanische Garten in Palermo. Man mag kaum glauben, wie ruhig und entspannt es in einer Metropole zugehen kann. Direkt danach in den zoologischen Garten - das übliche Tierzeugs und so ein paar Kängeruh-Hasen-Viecher...

Anschließend in einem beschaulichen Straßenrestaurant geluncht..."Pizza Calabresa Especial, por favor!!"... "No hay Calabresa ahora" Bitte was?? Irgendwie hat sich die Stadt gegen mich verschworen. Man hat mir meine Verzweiflung wohl angesehen und doch noch irgendwie eine Calabresa aufgetrieben. Aber ich sollte draus lernen - beim nächsten Mal wieder Steaks!!
Als hätten wir nicht schon Entspannung genug, gings danach in den japanischen Garten. Sehr schön angelegte Grünanlage mit Koi-Teichen und Bonsais. Nach zwei anschließenden Bier zur Happy Hour und einem "Kurzbesuch" in einem Einkaufscenter - es gibt Menschen (Frauen), die müssen sich lila Pumps kaufen, schlussendlich den Weg zurück gefunden. 9 Stunden auf den Beinen gewesen und die kommenden Tage versprechen weitere Stadttouren. Das wird definitiv ein ruhiger Abend heute...