Samstag, 11. Januar 2014

Roadtrip nach Te Anau – verdrehte Welt am Lake Matheson


Einer der Vorteile von Smartphones auf Reisen sind nützliche Apps: Zum Beispiel kann man mit Wetter-Apps sich für verschiedene Orte die Prognose ansehen und auf Grundlage dessen entscheiden, welche Tage besser für Autofahrten geeignet sind und welche Tage wohl eher für Outdoor-Aktivitäten passen. Für Mittwoch sagt die App durchgängig Regen mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% voraus. Entsprechend wird am Vortag noch bis etwa 2 Uhr morgens in der örtlichen Dorfdisco gefeiert, um dann früh am nächsten Morgen die 9 Stunden (reine Fahrtzeit) nach Te Anau im südlichen Fjordland hinter uns zu bringen.


Als um 6:30 Uhr der Wecker klingelt, wird leise der ganze Kram gepackt und vor die Frage gestellt, ob wir zunächst das Gepäck ins Auto schaffen oder Frühstücken entscheiden wir und glücklicherweise für das Gepäck. 80% Regenwahrscheinlichkeit? Bullshit! Zum ersten Mal blauer Himmel, Schneebedeckte Gipfel der Southern Alps. Kurzentschlossen lassen wir das Frühstück ausfallen, um doch noch den Weg zum Lake Matheson anzugehen. Früh am Morgen, wenn der Wind noch nicht einsetzt, spiegelt sich die umliegende Landschaft in seinem klaren Wasser. Langsam ziehen Wolken auf und auf der 30 minütigen Fahrt kommen Zweifel auf, ob wir es doch noch rechtzeitig schaffen. Zumal noch 45 Minuten zu Fuß um den See anstehen, bevor man die „View of Views“ auf die Alpen erlangt.


Diesmal meint es der Wettergott gnädig mit uns, lediglich einzelne landende Enten sorgen für kleinere Wellen und geben dem Surrealen einen Hauch von Wirklichkeit. Um nicht zu viele Worte zu verlieren, werde ich am Ende eine Reihe von Bildern hochladen – beim Sichten der Bilder stehe ich insbesondere bei den Hochkant-Aufnahmen vor der Herausforderung zu erkennen, in welche Richtung ich das Foto drehen muss... Nachdem wir bei strahlendem Sonnenschein dann doch noch Sandwiches und Kaffee zum Frühstück genießen, geht es dann weiter gen Süden.

 
Lautsprecher Marke "Cafe L'affare" - und nen Kaffee gabs kostenlos dazu =)
Wie bereits beschrieben, sind die Radiosender in Neuseeland erstklassig – wenn man mal einen eingestellt bekommt. Dies ist insbesondere bei Überlandfahrten eher nicht machbar, weshalb wir unbedingt einen Lautsprecher für unser iPhones besorgen möchten. Die nächste Stadt ist jedoch noch fern und da zahlt es sich endlich aus, dass ich in meiner Jugend fleißig MacGyver geschaut habe: Unsere neuen Lautsprecher Marke „Cafe L’affare“ für günstige 4,20 NZD funktionieren erstklassig und das beste dabei – es gibt beim Erwerb sogar noch einen Kaffee kostenlos dazu=)


Mit guter Musik im Ohr schlängelt sich unser Weg entlang an Flüssen, Seen, durch Täler, die Hügel hinauf vorbei an Queenstown bis Te Anau. Fassen wir es kurz: Ich poste ein paar Bilder, dann macht euch selbst ein Bild.
 


Nur für die Illusion - einmal um 180Grad gedreht...




Enten zerstören die Perfektion ;)


 

Freitag, 10. Januar 2014

Franz Josef - Gletscher im Regenwald

Es gibt es tatsächlich noch – die Sonne scheint! Für heute wird erstklassiges Wetter vorhergesagt, also etwa 19 Grad, wolkenlos und nur abends etwas Regen. Wir möchten uns die umgerechnet 175€ für einen Helikopterflug auf den Franz-Josef-Gletscher nicht leisten. Einerseits haben wir beide in Patagonien und der Antarktis schon eindrucksvollere Gletscher gesehen, andererseits war in den letzten Tagen „No-Go“-Wetter für die Helis, weshalb wir sowieso keinen Flug erhalten hätten.


Wir entscheiden uns gemeinsam mit Andy – einem Briten, den wir im Hostel kennengelernt haben - anstelle für einen anspruchsvollen 18km Hike, der im Wander-Guide als sehr anspruchsvoll beschrieben wird. Was das bedeutet merken wir recht bald. Nachdem sich die ersten Kilometer noch recht harmlos durch den dichten Farnwald schlängeln, geht es plötzlich auf dem ausgetretenen Wanderweg nicht mehr weiter. Ein umgestürzter Baum versperrt den Weg und den Fussspuren folgend schlagen wir uns direkt ins Unterholz, steil bergauf. Später werden wir herausfinden, dass wir nach etwa 10m einfach auf der anderen Seite des Baumes den ursprünglichen Trail hätten wieder aufnehmen können. Aber da wir nur den Hang im Blick haben und offensichtlich vor uns schon welche auf dem Pfad unterwegs waren, sehen wir diese Abzweigung nicht.

 
 
 

Die nächsten 25 Minuten bedeuten Schwerstarbeit: Mit allen Vieren ziehen wir uns aufwärts. Der Regen der Vortage sorgt für tiefen Schlamm, Wurzeln und die wenigen Steine, die uns als Halt dienen, sind verdammt glitschig. Während wir uns vorarbeiten stelle ich mir tatsächlich die Frage, wie wir hier wieder runterkommen sollen. Irgendwann kreuzen wir dann den ursprünglichen Weg wieder und wir können uns wieder normal fortbewegen. Bush-Trail! Heisst, kaum Aussicht, dafür grüne Hölle um uns herum. Man erwartet jederzeit zumindest kleinere Saurier, die sich am saftigen Grün laben – nur weil wir keine sehen, heisst das aber nicht, dass sie nicht uns sehen ;)
An einzelnen Aussichtspunkten erhaschen wir einen Blick auf den Franz-Josef-Gletscher, der sich – wie soviele andere Gletscher auch – in den letzten Jahren immer weiter zurück gezogen hat. Farn-Dschungel und ewiges Eis; irgendwie eine komische Kombination. Leider trüben die ersten aufziehenden Wolken das Bild und die Hoffnung, weiter oben einen noch besseren Blick geboten zu bekommen. Aber wir setzen unseren Weg zunächst fort. Immer wieder geht es durch sumpfige Stellen, wo die Schuhe tief einsinken.


Die idyllische Ruhe wird lediglich alle paar Minuten von Hubschraubern gestört, die zunächst noch über unsere Köpfe, mit zunehmender Höhe die wir erklimmen, dann aber unterhalb von uns vorbeirauschen. Touristen werden im Minutentakt gen Gletscher geflogen und es gibt Abschnitte unserer Wanderung, wo ich diesen Weg durchaus nachvollziehbar finde. Am Christmas Lookout dann die Ernüchterung, die Ausläufe des Gletschers lassen sich durch die tiefhängenden Wolken nur erahnen. Zeit für Mittagspause. Bei Chips und Sandwiches warten wir die nächsten 40 Minuten ab, ob sich an der Wetterlage etwas zu unseren Gunsten ändert. Und obwohl die Wolken langsam höher steigen und den Blick zunehmend freigeben, entscheiden wir uns gegen den weiteren Aufstieg, da wir nicht davon ausgehen, dass diese Verbesserung ausreicht, um 300m höher überhaupt was zu sehen. Uns entgegenkommende Wanderer bestätigen unsere Befürchtung, also machen wir uns wieder an den Abstieg.

 
Obwohl bergab in der Regel ja mehr Spaß bringt als bergauf zu laufen, ist bei jedem Schritt höllische Konzentration gefragt. Mehr als einmal kommt einer von uns ins Rutschen, Stürze können aber vermieden werden. Die Wolken verziehen sich langsam und es wird klarer – wir bilden uns ein, dass es nur daran liegt, dass wir zunehmend tiefer kommen (war wohl auch so!) An unserem Ausgangspunkt entscheiden wir uns, einem nahegelegenen See einen Besuch abzustatten. Vom Wald vor Wind geschützt spiegelt sich die Umgebung und der Himmel. Pilze in direkter Umgebung in einem giftigen Blau – Magic Mushroom? Wir lassen sie unprobiert.


Nach Entspannung der müden Glieder im Whirlpool fahren Wayne und ich noch ins nahegelegene Okarito. Eindrucksvoller dunkler Sandstrand, durchzogen mit großen Kieselsteinen. Die Sonne geht hinter einem Hügel unter und lässt die auslaufenden Wellen im Abendlicht schillern. Das Dorf Franz Josef, welches man sich am besten als kleinen Skiort in den Alpen vorstellt, bietet auch entsprechendes Entertainmentangebot. Wir finden uns in der Blue Ice Bar ein; erstklassige Spare Ribs (Sticky Fingers), einige Gläser Original Ale und Billard runden den Tag ab! Die Musik hier ist typisch neuseeländisch – also erstklassig! The Offspring, Matchbox 20, Blink182, Incubus und immer wieder Genesis… Was will man mehr.
 
 




 

Montag, 6. Januar 2014

Roadtrip zur Golden Bay und Kajak in Abel Tasman

Aussicht auf dem Weg zur Golden Bay
Ich bin zur Zeit etwas zu faul zum Kochen und in Nelson gibt es eine erstklassige Pizzaria, die wir in den Tagen zweimal aufsuchen! Am ersten Abend begleiten uns Max und Franzi, ein Pärchen aus Fulda, die nach ihrem Abi hier ein bisschen Work&Holiday machen und in ein paar Wochen ebenfalls nach Malaysia und Thailand reisen wollen. Sie sind daher auch sehr interessiert an den Tipps, die ihnen der Brasilianer und Malaie geben können und tatsächlich den ganzen Abend halte ich die Story aufrecht. Lediglich, als sie im Dorms auf deutsch noch sagt, dass sie sich umziehen muss und ich mir demonstrativ die Augen zu halte, kommt die Story kurz ins Wanken – aber ich hatte halt 2-3 Jahre Deutsch in der Schule, aber sprechen kann ich kaum was. ;)


Paddelwurf auf den Split Apple Rock
Da die beiden den ganzen Abend nicht einmal in deutsche Unterhaltungen verfallen, bieten wir ihnen an, sie am nächsten Tag mit auf einen Roadtrip in den Norden mitzunehmen – und aus Fairness-Gründen oute ich mich ihnen gegenüber. In der Nacht platzt ein anderer Deutscher in unser Zimmer, obwohl fünf Leute pennen wollen, schafft er es alle aufzuwecken und macht keine Anstalten auch irgendwie auf seine Lautstärke zu achten oder sich zu beeilen. Ich äußere entsprechend meinen Unmut. In Erwartung dass ich nichts verstehe, beleidigt er mich in Deutsch – Brasilianer zu sein hat Vorteile. Am nächsten Morgen nehmen wir entsprechend auf ihn "Rücksicht", als wir das Zimmer gg 7 Uhr verlassen. Revanche-Foul? Mir egal!
 


Die Strände von Abel Tasman kommen meist nur bei Ebbe zum Vorschein
Wir fahren hoch nach Takaka und Pakawau an die Golden Bay, die in früheren Jahren nicht so einen netten Namen hatte. Abel Tasman hat in dieser Bucht seinerzeit 4 seiner Leute verloren, die von Maori angegriffen wurden. Dementsprechend hieß die Bucht Mörderbucht – vermarktet sich aber wohl etwas schlechter. Leider regnet es auf dem Weg dahin fast durchgehend. Wenn es mal aufreißt und der blaue Himmel stellenweise durchkommt, bekommt man einen Eindruck in was für einem schönen Flecken der Erde man sich gerade befindet. Die Golden Bay war und ist wohl teilweise auch heute noch ein Refugium für Alt-Hippies; das „breite“ Grinsen unseres Kellners beim Lunch rührt wohl auch von dieser Vergangenheit. Bei schönem Wetter sicherlich noch um einiges eindrucksvoller.


Goldener Sandstrand! Blauer Himmel Fehlanzeige =(
Da für den folgenden Tag erstklassiges Wetter vorhergesagt ist – der Regen soll wärmer werden! – beschließen wir einen Teil des Abel Tasman Parks zu Fuß und mit dem Kajak zu erforschen. Highlight hier sicherlich die Höhlen in der Nähe des Split Apple Rock, die wir später bei Flut mit den Kajaks durchfahren können. Nach nem schnellen Mittagessen fahren wir mit dem Water Taxi zum Ausgangspunkt unseres Hikes. Lediglich knapp 5km für den heutigen Tag, aber die Landschaft ist anders als alles wo ich zuvor war. Abel Tasman zeichnet sich durch orange-goldene Strände aus, die so wohl einzigartig sind. Bei Niedrig-Wasser kann man einige Abkürzungen nehmen, ansonsten führt einen der Trail auch immer wieder durchs Hinterland. Kleiner Wasserfall, den wir nach einer kleinen Kletterpartie über rutschige Felsen etwas näher inspizieren. Wie rutschig sie tatsächlich sind, findet Wayne beim Abstieg heraus – seine Schuhe trocknen noch heute, zwei Tage später.


In brasilianischen Farben über eine Hängebrücke
An unserem Ziel-Strand kommen wir etwa eine Stunde vorm vereinbarten Abhol-Zeitpunkt an. Leider frischt der Wind auf und es ist mittlerweile schon wieder bewölkt, so ist nicht wirklich dran zu denken, hier mal kurz ins Wasser zu springen – man würde nicht mehr trocken werden. Nass werden wir dann aber doch noch, es regnet mal wieder und wir suchen unter Bäumen am Ufer Unterschlupf, während wir ewig auf das Wasser-Taxi warten. Als dieses dann endlich mit einiger Verspätung eintrifft, lassen sich die Fenster nicht schließen – eine Stunde Fahrt im Regen und bei kaltem Wind sind nicht wirklich erstrebenswert.
 

Felsformation der Pancake Rocks
Für den Abend steht noch eine 300km Fahrt nach Purakaiki vor uns. Hier wollten wir uns noch mit einer Deutschen treffen, die wir einige Tage vorher kennengelernt haben und uns endlich um Jack Daniels kümmern, der schon seit einigen Tagen keine Aufmerksamkeit erhalten hat. Da uns der Weg ziemlich durchs Hinterland führt, haben wir die meiste Zeit keinen Empfang. Dies wird auch in Purakaiki nicht besser – im ganzen Dorf gibt es scheinbar weder Telefon- noch Internetempfang. Wir sind nicht undankbar: Heiße Dusche und warmes Bett ist vollkommen ausreichend.


Die Gezeiten nagen unaufhörlich - einzelne Stellen sind bereits unterspült
Tags drauf wollen wir weiter Richtung „Franz Josef“; mal wieder ideales Reisewetter! Der Regen stoppt kurz als wir zu den Pancake Rocks laufen. Gezeichnet von den Gezeiten bietet diese Felsformation südlich von Purakaiki einen bizarren Anblick. In Franz Josef checken wir in ein recht neues Hostel ein. Als man uns an der Rezeption von „freiem, unlimitiertem Wifi“, von „Frühstück und abendlicher Suppe inklusive“ berichtet, komme ich nicht umhin zu fragen, ob ich noch in Neuseeland bin… Gott sei dank regnet es – Grund genug, mich um Organisatorisches zu kümmern.
 

Versteinerte Kreaturen? Ob man die grimmig drein guckenden Krieger auf der linken Seite erkennt? Auf jedenfall lauert rechts eine Raubkatze! Gesichter im Felsen - erinnert stark an Peru!

Wie die Pancake Rocks zu ihrem Namen kommen, kann man hier erahnen - die unterschiedlichen Schichten türmen sich wie Pfannkuchen auf
 
 
 
 

Samstag, 4. Januar 2014

Whale Watching in Kaikoura - überschaubare Silvester-Party in Christchurch

 


 Mein Hostel in Kaikoura liegt etwa 2km außerhalb des Stadtkerns. Ich treffe auf Chris, einen Amerikaner, der etwa 3 Wochen Neuseeland bereist. Gemeinsam fahren wir abends in die Stadt und ich könne mir seit langem mal wieder einen kochfreien Abend – es gibt Steak. Und dank der Bezahlung mit Kreditkarte merkt man gar nicht, wieviel Geld man ausgibt. Ist schon ne herrliche Erfindung, ist mir aber im Moment auch egal! Der Sonnenuntergang hinterm Gebirge ist der reinste Wahnsinn. Die umliegenden Berge sind in leichten Nebel gehaucht, einzelne Täler sind bereits im Schatten, die Gipfel aber weiterhin noch Gold bestrahlt. Der Dunst überm Ozean färbt sich in blau und rosa Tönen, und suggeriert den Sonnenuntergang auf der Meeresseite. Wir fahren etwas die Küste entlang und nutzen die Zeit für tolle Fotos – hätte ich mal besser meine Kamera mitgenommen. Aber mit dem iPhone geht’s doch auch halbwegs.


Am nächsten morgen fährt mich Chris dankenswerter Weise zum Ausgangspunkt fürs Whale Watching. Die Strecke wäre mit dem Rucksack am Morgen keine Freude gewesen. Mit Katamaran geht es auf den Ozean, auf der Suche nach Pottwalen, die hier vor der Küste die tiefen Gewässer für die Jagd in der Tiefsee nutzen. Ich bin froh, dass ich noch eine Seekrankheitspille vom letzten Trip finde, denn der Wellengang verspricht einiges. Es vergehen keine 25 Minuten, als wir am Horizont den ersten Pottwahl sichten.
Diese Wale sind wohl am leichtesten zu beobachten, da ihr Verhalten ziemlich planbar ist – 50 bis 60 Minuten tauchen. Dann 10 Minuten Luft schnappen und vor der idyllischen Berglandschaft die Fluke in den Himmel strecken. Insgesamt sehen wir auf unserer Tour noch einen weiteren Pottwahl und einen großen Blauhai. Chris hat tags zuvor noch eine Gruppe Orcas gesichtet, während wir diesmal mehrere Delfine in Küstennähe ausmachen und eine Seelöwen-Kolonie besichtigen.

Danach geht es mit dem Bus weiter nach Christchurch, wo ich mit Verspätung im Jailhouse Accomodation – einem Hostel in einem antiken Gefängnis – ankomme und auf Wayne treffe. Wayne ist einer meiner malaysischen Freunde, die ich vor zwei Jahren in der Antarktis kennengelernt habe und letztes Jahr in Kuala Lumpur besucht hatte. Zusammen mieten wir uns für die nächsten 12 Tage ein Auto, um die Südinsel zu erforschen. Das alte Jahr wird gemütlich bei einigen Bier und Burgern in einem Irish Pub bei Live Musik ausklingen gelassen. Aus irgendeinem Grund verlassen wir dieses Pub vor Mitternacht und haben bei schlechter Live-Musik das wohl beschissenste Bier, was ich je hatte! Jeder Schluck kostet Überwindung.
Am Nebentisch zwei Deutsche, wieder mal. Mir wird’s zu viel. Auf die Frage woher ich komme, sage ich aus Brasilien. Witzig, die beiden sind auf Weltreise und wollen über Karneval 3 Wochen in Brasilien verbringen. Ich bin in meinem Element. Sao Paolo? Wollt ihr da echt hin. Maximal 2 Tage! Karneval in Rio? Viel zu teuer und zu organisiert! Olinda, meine Heimatschadt, im Norden ist der richtige Platz für Karneval! Herrlich! Ab sofort bin ich Brasilianer. Mal sehen wann es auffällt. Kurz vor Mitternacht geht es in den Botanischen Garten, wo sich mehrere Tausend Menschen versammeln. Mitternacht, das Feuerwerk geht los, während ihr grad beim Mittagessen seid – kaum vorstellbar eigentlich! Ich schieße ein paar Erinnerungsfotos, als das Spektakel auch schon ein Ende findet. Die Menschenmenge zerstreut sich und wir folgen, in der Hoffnung, dass wir so den Weg zur nächsten Bar finden! Traurige Tatsache: Die sind alle zu ihren Autos gegangen, um heimzufahren. Die meisten Bars waren geschlossen und selbst die Clubs in der Nähe haben um 2 Uhr geschlossen. Wir finden den Weg zurück ins Hostel wo sich auch schon einige andere bereits wieder eingefunden haben. Schon ein bisschen enttäuschend.
Den schlechten Geschmack des Biers spülen wir mit Jack Daniels aus dem Duty Free runter – 2014 fängt schon besser an, als 2013 geendet hat! Wir unterhalten uns mit einigen aus einer Reisegruppe. Ein asiatischstämmigen Schweden und einer Deutschen aus der Nähe von Frankfurt. Da ich mal auf einer meiner Europa-Reisen zwei Tage in Frankfurt verbracht habe, frage ich neugierig woher sie genau kommt. Aber Essenheim sagt mir echt gar nichts! Ich bleib bei meiner Brasilianer-Story.

Wir kommen bereits gegen 3 Uhr ins Bett, weshalb wir am Neujahrstag auch überraschend früh auf die Straße kommen. Unser Ziel ist Nelson, der Ausgangspunkt für Wanderungen im Abel Tasman Park. Also wieder nach Norden, wo ich erst hergekommen bin. Mittagspause in Kaikoura, es gibt erstklassige Sandwiches. Ansonsten vergeht die Fahrt recht unspektakulär – die hügelige Landschaft entlang der Ozean-Straße ist ein Traum.
 
Einzelne Stops, um Seelöwen-Kolonien zu beobachten. Einer der Knaben liegt keine 2m vom Parkplatz entfernt. Nach Kaikoura kümmern wir uns um die Buchung der Hostels. Als wir 10 Adressen in Nelson abtelefoniert haben, wird es langsam etwas kritisch. Mein Akku ist leer und an der Kreuzung in Blenheim nach Nelson entscheiden wir uns gegen die 2stündige Fahrt ins Ungewisse. Anstelle kaufen wir uns ein Handycharger fürs Auto und fahren weiter nach Picton, was nur 30 Minuten entfernt liegt. So haben wir die Fallback-Möglichkeit immernoch ins touristisch langweilige Blenheim zurückzufahren – niemand will da übernachten! In Picton dann das selbe Spiel –Hosteln, Motels…Alles ausgebucht. Wir haben noch eine letzte Option, dort macht die Rezeption aber erst wieder um 19 Uhr auf. Während wir warten laufen wir etwas am Hafen entlang und genießen den Ausblick auf den beeindruckenden Fjord.
 
Um 19 Uhr dann die gute Nachricht – die letzten beiden Betten sind unsere! Ein Backpacker, der unmittelbar hinter uns steht, muss weiter zu einem Zeltplatz und wird die Nacht voraussichtlich draußen verbringen. Nachdem Essen, fixen wir unsere Pläne für die nächsten 12 Tage. Es wird ein sehr anspruchsvolles Programm, weil im Süden echt einiges zu sehen ist. Zunächst jedoch wird für morgen abend ein Hostel in Nelson gebucht –sicher ist sicher! Abends bleiben wir noch etwas länger auf und bekommen mit, wie drei Spätankommer durch das dunkle Hostel irren. Als wir dann doch noch ins Bett wollen, liegen die drei Mexikaner in unseren beiden Betten. Die Eigentümerin hat ihnen irrtümlich die falsche Raumnummer genannt und wir finden später noch in einem anderen Zimmer die benötigten Betten. Bis dahin habe ich aber schon mal meine Hängematte im Waschraum aufgeschlagen - man hilft ja gerne weiter, außerdem kam die noch gar nicht zum Einsatz. Auch dieses Mal komme ich dann doch noch in meinem Bett unter.
 

Am nächsten Morgen können wir uns nicht so richtig aufraffen: Das Ende vom Lied ist, dass wir nur einen ganz kleinen Teil der ersten Etappe des Queens Charlotte Trails entlang der Fjorde abwandern können. Trotzdem bietet sich bereits hier eine beeindruckende Aussicht. Bereits am frühen Nachmittag treffen wir in Nelson ein, unser Zimmer ist voll mit Deutschen belegt. Natürlich bin ich wieder aus Brasilien, ich bin langsam echt gut darin ;)
 





 



 
 

Donnerstag, 2. Januar 2014

Lake Taupo und das Tongariro Crossing – auf Frodo’s Spuren am Schicksalsberg

Nach meiner Ankunft im Hostel steht erstmal eine kleine Wanderung entlang eines sehr idyllischen Flusses auf dem Programm, der aus dem Lake Taupo abfließt. Zwar fasziniert mich gleich das extrem klare Wasser mit einer türkisenen Farbe, jedoch ist der eigentliche Trail und die Aussicht jetzt nicht wirklich spektakulär. Als mir dann noch ein Hund den Weg versperrt und auch keine Anstalten macht zu verschwinden als ich auf ihn zulaufe – ganz im Gegenteil, er wird richtig aggressiv… vermutlich Welpen in der Nähe – und ich auf die Straße ausweichen muss, bin ich schon etwas bedient.
Erst einen Kilometer später komme ich am örtlichen Bungee Jump wieder in die Nähe des Flusses. Von leicht erhöhter Stellung kann man den Wagemutigen dabei zusehen, wie sie sich etwa 50m in die Tiefe stürzen. Hier zwängt sich der Fluss mittlerweile durch einen malerischen Canon. Und so soll es fortan auch bleiben: Etwas später führt mich mein Weg wieder direkt an den Fluss, wo es die Möglichkeit gibt, an der Mündung von heißen Quellen zu baden.
 
Wäre schon gut gewesen, dies vorher zu wissen… So muss ich auf dieses Vergnügen verzichten. Mich zieht es weiter Flußabwärts, wo sich die Wassermassen nach etwa einer Stunde durch eine noch engere Schlucht zwängen und schließlich bei den Huka Falls einige Meter hinabstürzen. Echt idyllisch! Auf dem Rückweg leg ich einen Zahn zu, dunkle Gewitterwolken ziehen von Süden her auf und geben einen Vorgeschmack auf die kommenden Tage. Im Hostel angekommen treffe ich auf meine neuen Zimmergenossen u.a. Jusoo, einen Bekannten aus Finnland(s. vorherigen Blog-Eintrag).
 
Die Wettervorhersage für den kommenden Tag klingt vielversprechend – hauptsächlich Sonne, vereinzelt Schauer zum Abend hin werden für den südlich gelegenen Tongariro Nationalpark gemeldet – also entschließe ich mich, gemeinsam mit einigen anderen das Tongariro Crossing anzugehen. Auf diesem viel bevölkerten Wanderweg, der als einer der besten Tageswanderungen ganz Neuseelands angesehen wird, führt der Weg auf etwa 20km am Mount Ngauruhoe (sprich: „weiß ich bis heute nicht“!) vorbei.
Da dieser Berg den meisten besser als der Schicksalsberg aus der Herr-der-Ringe-Trilogie bekannt sein dürfte, verwende ich der Einfachheit halber fortan den Begriff. Bereits morgens um 5:30 Uhr werden wir vom Bus abgeholt, um an unseren Ausgangspunkt befördert zu werden. Das Wetter ist klar, lediglich einige Wolken umgeben den Gipfel der Schicksalsbergs. Wir machen uns schnell auf den Weg, denn bei solch optimalen Bedingungen ist es möglich eben diesen Gipfel zu besteigen, was aber weitere 2,5 Std. in Anspruch nimmt.
Nach einem sehr leichten Beginn führt uns der gut ausgewiesene Weg zum ersten harten Anstieg, die Atemfrequenz wird schneller, erste kurze Pausen werden eingelegt – gutes Training, und man wird mit einer hervorragenden Aussicht auf die Vulkanlandschaft entschädigt. Man kann sich hier sehr schön vorstellen, wie Frodo mit dem Ring um den Hals begleitet von seinem letzten Gefährten zum Gipfel marschiert. Einzigartige Landschaft! Als wir jedoch an der Gabelung zum Schicksalsberg ankommen, folgt die erste Enttäuschung – er ist mittlerweile komplett in Wolken gehüllt.
Wir entschließen uns nach kurzer Pause dagegen, den Aufstieg anzugehen. Einerseits wird auf Grund der Gefährlichkeit dieses Trails dazu geraten, ihn lediglich bei Top Bedingungen anzugehen. Andererseits hoffen wir darauf, dass es später aufklart und wir auf einem zweiten Gipfel – den des Mt. Tongariro – dann den Blick besser genießen können. Etwa 2 Stunden später stehen wir dann auch tatsächlich auf dieser Kuppe; 20 Meter Sicht sind wahrlich keine Entschädigung für die Mühen. Auf dem Abstieg setzt dann auch noch Regen ein, war der nicht für den Abend angesagt? So n Scheiß!
Meine Regenjacke hatte auch schon bessere Tage erlebt; es dauert nicht lang bis ich merke, wie jeder einzelne Tropfen das Long Sleeve Shirt darunter einnässt. Gute Vorbereitung ist eben alles. Habe ich im ersten Drittel der Wanderung noch viele Fotos gemacht, versuche ich jetzt meine Kamera vom gröbsten zu bewahren. Der „zeitweise Schauer“ entpuppt sich als sehr hartnäckig. Zeitweise schwächt er ab, um einem kurz Hoffnung zu geben, nur um dann noch stärker wieder einzusetzen. Ich hab echt genug und noch 12km, hauptsächlich bergab, vor mir.
 
Ein blauer See in idyllischer Landschaft, verborgen hinter einer Nebelwand, die lediglich für einige Momente den Blick freigibt und erahnen lässt, wie schön der Weg bei Sonnenschein ist. Wir kommen in aktives Vulkangebiet, vor etwa einem Jahr wurde es zuletzt heftig, weshalb der Trail lange Zeit gesperrt war. Aber die Warnleuchten geben keinen Anlass zum Umkehren – so nass wie ich da schon bin, hätte mich auch nichts dazu bewegt umzudrehen!
 
Weiter geht’s abwärts, bis wir irgendwann unter die Wolkendecke kommen und es nur noch leicht nieselt. Ich bin völligst durchnässt und friere, lediglich die Wanderschuhe halten stand! Wir kommen ins Ebene, es ist gleich geschafft, als wir ein weiteres Warnschild passieren. Mich kümmert es schon nicht mehr und so bin ich etwas später doch überrascht, als ich die Bedeutung nachvollziehe – aufgrund des Regens ist ein Rinnsal auf 20m Breite angeschwollen.
 
Wenn auch nur etwa knöcheltief reicht es aus, dass nach der Querung nichts mehr trocken ist – was solls! Auf dem Heimweg zieht uns die Busfahrerin noch etwas auf; in Taupo sei den ganzen Tag erstklassiges Wetter gewesen. Sehr schön. Ich freu mich auf die warme Dusche und treffe auf die neuen Zimmergefährten – allesamt Deutsche bis auf Maxim, einen Belgier.
 
 
Für mich steht am nächsten Tag Regeneration auf dem Programm, wenngleich ich überraschend wenig Auswirkungen spüre. Meine Zimmergenossen machen sich bereits morgens ebenfalls auf den Trail. Wettervorhersage für den Tag ist unterirdisch, sie können einem Leid tun. Zumal es in Taupo den ganzen Tag regnet! Als sie nachmittags mit Sonnenbrand zurück kommen bin ich endgültig bedient. Auf den Fotos kann ich dann nachvollziehen, was ich alles nicht gesehen habe – Schade!
 
Nachmittags gehe ich noch an den See. Hier kann man für 20 NZD (etwa 13 Euro) an der Hole-in-One Challenge teilnehmen. Etwa 105m im See ist eine kleine 9x10m große Plattform, auf der ein Golfgrün mit 3 Löchern (normale Größe, 30cm und 50cm Durchmesser) platziert ist, die im Wind umherdriftet. Je nachdem welches Loch man trifft kann man bis zu 10.000 NZD oder Sachpreise, z.B. Fallschirmsprünge gewinnen. Für das Startgeld hat man 30 Versuche bei teils höllischem Wind. Die Chancen sind gering, aber das Spiel hat Suchtpotential. U
 
Und nein, ich habe kein Hole-in-One erzielt, auch wenn ich es in beiden Tagen 3mal versucht habe. Immerhin konnte ich etwa 40mal die Plattform treffen, was deutlich häufiger ist, als wohl die meisten, die es versuchen. Wenngleich ich den Rekord von Tiger nicht gefährden konnte. Vor einigen Jahren hat er 47mal am Stück die Plattform getroffen und dafür jeweils einen weiteren Freischuss erhalten. Versenkt hat er allerdings auch nicht und sich dann wohl eher den Autogrammen und seinen Fans gewidmet! (Da mich eh keiner beim Golfen sehen will, verzichte ich auf weitere Bilder ;))
IIn der Nacht des folgenden Tages geht es mit dem Bus nach Wellington, dort direkt auf die Fähre weiter, um dann nochmal 2,5 Stunden nach Kaikoura zu fahren. Insbesondere die letzte Stunde auf der Fähre, in der wir in die nördlichen Fjorde vor Picton eintauchen, gibt einen schönen Vorgeschmack auf die Südinsel. Während ich gerade einige Fotos schieße taucht Jusuu an der Reeling neben mir auf – war ja schon fast klar. Er ist mittlerweile mit zwei finnischen Freunden unterwegs und hat bereits ein Wagen am Hafen auf sich warten. Mein Glück, denn nachdem die Fähre erst mit Verspätung einläuft, nehmen die drei mich die Strecke nach Kaikoura mit. (Bilder hierzu werde ich noch nachliefern - mangelndes Internet, aber vor allem viel zu viel um die Ohren sorgt dazu, dass ich Verzug gerate...;)


Freitag, 27. Dezember 2013

Reisebekanntschaften - man sieht sich immer zweimal

Wenn man viel in der Welt unterwegs ist, lernt man viele Leute kennen – das ist quasi unvermeidlich und sicherlich mit ein Grund fürs Reisen! Und wenn man in Ländern unterwegs ist, wo man vermehrt auf Deutsche trifft, dann kann es auch mal vorkommen, dass man gemeinsame Bekannte hat. Mal kennt man den Nachbarn oder – wie gestern abend – man trifft auf Leute, die aus dem beschaulichen Gottmadingen (Wohnort meiner Mum) kommen und meine Cousins kennen… Die Welt ist eben doch nicht so groß.
Reißwein in Borneo im Januar 2013 - wusste nicht mal, dass das Foto existiert
Das was mir aber vorgestern widerfahren ist, kommt nicht aller Tage vor. Ich komme ins Hostel und treffe auf eine Gruppe Skandinavier, die mit mir im Zimmer sind. Nachdem ich meine Wäsche gemacht habe, schließe ich mich auf ein Bier der Gruppe an. Aus irgendeinem Grund kommt mir einer – Juuso aus Finnland – von denen bekannt vor ohne allerdings, dass ich wüsste woher – aber man hat hier ja schon viele getroffen. Also frag ich ihn, und seine Antwort macht mich stutzig – ihm ginge es genauso, aber er ist erst seit 5 Tagen auf der Insel und er sei sich sehr sicher, dass wir uns nicht hier getroffen haben. Südamerika? Kann sein, da war ich vor zwei Jahren… Ne, das kann nicht passen, er war da vor 4 Monaten… Malaysia? Ja, borneo! Und tatsächlich, vor ziemlich genau einem Jahr haben wir zusammen im Hostel an einem Abend Reiswein getrunken. Ich hatte das schon fast verdrängt gehabt, aber als wir dann seine Fotos durchforstet haben, ist tatsächlich das nebenstehende Bild aufgetaucht. Ich muss sagen, dass hat mich echt geflasht. Und die Mathematiker unter euch, dürfen mir gerne die Wahrscheinlichkeit berechnen, wie wahrscheinlich sowas ist. Wir hatten an dem Abend nicht mal wie üblich Facebook-Kontakte etc ausgetauscht… Juuso meinte später: Es ist unwahrscheinlich, eine Person ein zweites Mal zu treffen. Wenn es doch passiert, wird man sich auch ein Drittes mal wieder sehen – ich bin gespannt!
 

Jusuu und ich: Nach einem Jahr wieder getroffen - hier auf dem Mount Tongariro