Sonntag, 10. Februar 2013

Mt. Kinabalu – Torturen sind was tolles!



Freitag Nachmittag kommen wir vor den Toren des Mt. Kinabalu National Parks an und finden direkt ein Zimmer in einem kleinen Motel direkt an der Straße gegenüber. Um unsere Tour zu buchen, müssen wir noch zum einzigen Hotel im Park, von wo aus man alles organisieren kann. Der Park ist aufgrund seine einzigartigen Flora und Fauna – nirgends wird man mehr Orchideen-Arten finden als hier – als Weltkulturerbe geschützt. Trotzdem befindet sich der einzige gangbare Weg zum Gipfel in Privathand eines Singapures, der dieses Monopol zu nutzen weiß. Keine 200m von unserem Motel entfernt, würden wir im Parkhotel für ähnliche Zimmer fast das 3-fache bezahlen. Während wir noch auf die Bestätigung warten, dass das am nächsten Tag mit der Besteigung klappt, treffen Petra und Jana – zwei Tschechinnen – ebenfalls ein. Wir kommen ins Gespräch und hätten auch fast mit ihnen zu Abend gegessen, wenn ihr vorher gebuchtes Dinner-Buffet im Park-Restaurant nicht 60 RM (ca. 15 Euro) pro Person gekostet hätte. 500m die Straße runter werden wir später für insgesamt 29 RM richtig gut essen. Wir verabreden uns aber für den kommenden Tag, um uns einen Guide zu teilen.

Nach einer kurzen Nacht treffen wir um 7:30 vor der Hauptverwaltung ein, von der man einen herrlichen Blick auf den freien Gipfel des Mt. Kinabalu hat. Ich erkundige mich nach der Wetterlage und es scheint als haben wir Glück. Heute soll ein richtig guter Tag werden, der Regen erst am Nachmittag einsetzen und auch für den zweiten Tag ist super Wetter prophezeit. Wir treffen noch auf zwei Holländer – war ja klar ;) – die ebenfalls zu unserer Gruppe hinzustoßen. Da die Mädels noch nicht gefrühstückt haben, brechen wir erst gegen 8:45 Uhr bei ca. 1.900 Höhenmeter auf. Unser Guide trottet eher teilnahmslos hinterher und lässt uns das Tempo machen, er hat nur ein paar Stunden geschlafen und einen ordentlichen Kater. Aber viel zu machen gibt es für ihn eh nicht. Der Trail ist deutlich erkennbar und alle 500m gibt es ein Schild, dass uns zeigt, dass wir vorangekommen sind und wieviel Höhenmeter wir zurückgelegt haben.

Die ersten 4 Kilometer sind nicht wirklich anspruchsvoll, über künstliche aber auch natürliche Stufen Bahnen wir uns den Weg nach oben und unsere Gruppe zerfällt recht schnell in zwei Teile – die Mädels und Oliver, einer der beiden Holländer, fallen zurück und wir warten von Zeit zu Zeit. Bram, der zweite Holländer, ist noch schlechter gerüstet als wir. Ohne Rucksack, nur mit den Sachen, die er am Körper trägt und seinem Lunchpaket stürmt er den Gipfel. Sein Ersatz-Shirt hat er noch am Frühstückstisch vergessen. Während wir uns nach oben mühen, hat es den Anschein, dass wir uns in den Hochnebel, der den Gipfel immer mehr umgibt, hocharbeiten – die traurige Wahrheit ist aber, dass dieser Nebel im Tagesverlauf immer weiter Richtung Tal wandert und uns daher irgendwann umgibt.




 Nach knapp 4km und 2 Stunden wird ein Lunch-Break eingelegt. Wir sind jetzt auf ca. 2700m und haben auf den letzten beiden Kilometern noch etwa 600 Höhenmeter vor uns – die Strecke wird ambitionierter und die uns umgebende Vegetation verändert sich total. Waren wir vorher noch von Dschungel und Regenwald umgeben, wird die Landschaft jetzt zunehmend karger und man hat einen Blick auf die Nebeldecke unter einem. Mich erinnert der Anblick etwas an Casper David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ (kaum zu glauben, dass ich in Kunst immer so versagt habe!!!).

Nach dem Lunch geht’s steil bergauf, die ersten Gruppen die morgens den Gipfel erklommen haben, kommen uns entgegen. Warum die, die bergab unterwegs sind immer lächeln, während man den anderen die Anstrengung im Gesicht abliest? Keine Ahnung, aber tags drauf wird es nicht anders sein, wenn wir uns gen Tal aufmachen werden. Bei Kilometer 5 gibt’s noch eine kurze Toilettenpause, von der man einen sehr akzeptablen Ausblick hat – aus Rücksicht auf die anderen verzichte ich aber darauf, die Tür geöffnet zu lassen. ;)

Bei Kilometer 6 liegt das Gästehaus auf etwa 3.300m Höhe, unsere Gruppe ist mittlerweile in alle Einzelteile gefallen. Kurz bevor ich eintreffe fängt es an zu nieseln – gerade nochmal gut gegangen, nasse Klamotten beim Bergsteigen kann ich echt nicht gebrauchen. Das enge Zimmer teilen wir uns mit den beiden Holländern und müssen dafür nochmal 40 Höhenmeter überwinden. Die Tschechinnen haben einen VIP-Raum erwischt – warme Dusche und Heizung im Zimmer. Nachmittags gibt’s ein sehr üppiges Abendessen. Der Tatsache geschuldet, dass wir bereits am nächsten Morgen um 2 Uhr aufstehen müssen, fällt hier alles etwas früher aus. Die Mädels bieten uns noch an, ihre Dusche zu benutzen. Obwohl der Gedanke, richtig aufzuwärmen (und manch anderer), echt verlockend ist, verzichten wir. Keiner hat auch nur im entferntesten Lust, die 15 Minuten zu unserem Zimmer zu laufen und wieder zurückzukommen.

Also geht’s bereits um halb 8 in die Kiste – wenn alle stinken, fällts ja gar nicht auf. So richtig einschlafen kann keiner, wie pubertäre Jugendliche wird noch eine Weile fachmännisch über die Vorzüge Osteuropas gesprochen und die ohnehin schon stickige Luft weiter verpestet. Um 8 Uhr schlagen unsere Zimmernachbarn an die Wand – um 8 Uhr!! Aber unsere ernsthaften Versuche danach einzuschlafen scheitern. Eine – wahrscheinlich – Koreanerin hängt überm Klo, kotzt sich die Seele aus dem Leib und verflucht – wahrscheinlich in ihrer Landessprache – die Höhenkrankheit. Pubertierenden Jugendlichen bereitet das Leid anderer Freude – ja, wir lachen uns über die komischen Geräusche kaputt! Blöd nur, dass die bis nachts um 11 Uhr anhalten.

Um 2 Uhr klingelt der Wecker – ich war schon wach. Auf dem Weg runter zum Frühstück (kann mir mal einer erklären, warum ich erst bergab muss, obwohl ich doch eigentlich auf den Gipfel will) kommt etwas Verunsicherung auf, da es überraschend warm ist und keine Sterne am Himmel zu sehen sind. Angeblich sind es nur 2,5 Stunden zum Gipfel, aber unser Guide drängt uns recht schnell zum Aufstieg, da vor uns schon die chinesischen und koreanischen Reisegruppen losmarschiert sind. Und tatsächlich, kurz hinter der Hütte wo wir die Nacht verbracht haben, staut es sich. Auf den rutschigen Treppen versuchen wir uns an den Langsamen vorbeizudrängen, was zumindest Bram, Nick und mir ganz gut gelingt. Der Aufstieg zum Gipfel, der komischerweise Low´s Peak heisst, zieht sich über 2,7 Kilometer und 800 Höhenmeter. Sehr bald ist mein Shirt durchgeschwitzt und der Puls ist auch – sagen wir mal – leicht erhöht! Nick und ich sind den Aufstieg in T-Shirt und kurzer Hose angegangen, um nach dem Erreichen des Gipfels lange, trockene Klamotten zum Wechseln zu haben. Während man sich bewegt ist das auch kein Problem, nur in den Pausen fängt man erbärmlich an zu frieren. Nach einem Kilometer haben wir den leichten Part des Morgens hinter uns gelassen – jetzt wird es steil und wir müssen uns im Schein unserer Taschenlampen an Seilen weiter vorarbeiten.

Recht bald gehören wir zu den ersten und können in der Dunkelheit unter uns die Lichterketten der anderen hintereinander aufgereiht beobachten, während wir im Windschatten eine Pause machen. Der Himmel ist aufgeklart, wir können ein paar Sterne sehen – der Sonnenaufgang wird geil! In etwas Abstand zu uns zollt ein Mädel in gebückter Haltung der Höhenkrankheit Tribut. Als wir uns nach 10 Minuten wieder in Bewegung setzen, könnte ich auch kotzen – der Gipfel zieht sich zu. Und es wird auch in der nächsten Stunde nicht mehr besser. Als wir den Gipfel erreichen sehen wir nichts! Im eisigen Wind auf knapp 4.100m Höhe wird sich schnell umgezogen und der Sonnenaufgang abgewartet. Es soll nicht sein. Stolz, den Gipfel erklommen zu haben und gleichzeitig enttäuscht, dafür nicht entsprechend belohnt zu werden, treten wir den Abstieg an, während uns immernoch Dutzende andere entgegen kommen, die zu dem Zeitpunkt schon wissen, dass es nix wird mit der guten Aussicht, sich aber dennoch hochquälen, um wenigstens den Gipfel zu erreichen.

Wieder beim Guesthouse Laban Rata angekommen, gibt es das zweite Frühstück. Gemeinsam mit Chris, den wir morgens beim Aufstieg kennengelernt haben, brechen wir recht bald zum Abstieg auf. Wir wollen uns mittags noch nach Kota Kinabalu aufmachen und er muss seiner Reisebegleitung, die im Tal verblieben ist, noch die Planänderung mitteilen. Damit sie rechtzeitig auschecken kann, müssen wir um 11:30 Uhr im Tal sein. Es ist 9 Uhr als wir aufbrechen und die beiden Jungspunde (Nick und Chris) wollen allen ernstes den Berg runter „rennen“. Angesichts der rutschigen Steine und Treppen absolut idiotisch und halsbrecherisch, wie uns auch unser Guide attestiert hat, der allerdings mühelos folgen konnte. Die Sonne kommt raus – die will uns echt verarschen. Und wir schaffen es tatsächlich in 1:45 Std. (bzw. ich in 1:50 Std.) die letzten 6 Kilometer zurückzulegen.



 Für dieses Unterfangen zahle ich heute, einen Tag später, den Preis. Muskelkater am ganzen Körper und Knie schmerzen – I´m too old for this stuff! Gelohnt hat sich’s trotzdem irgendwie, auch wenn ich mir jetzt im Internet anschauen kann, was für einen tollen Sonnenaufgang ich beinahe gesehen hätte.

Montag, 14. Januar 2013

Sepilok und Sandakan - Orang-Utans und Regenwald



Pünktlich um 7:30 Uhr fährt unser Bus Richtung Sandakan ab. Unser Ziel – die Orang-Utan Aufzuchtstation - sollen wir ca. 4 Stunden später erreichen. Doof nur, dass der Bus etwas rumzickt… Noch doofer, dass wir morgens auf ein Frühstück verzichtet haben. Geradeso schaffen wir es noch zur nachmittaglichen Fütterung um 15 Uhr den Park zu erreichen. Den Snack, den wir mitnehmen möchten, müssen wir noch schnell herunterschlingen, da man natürlich nix mitnehmen darf, was die Aufmerksamkeit der Affen erwecken würde. 


So hungrig wie ich war, hätte ich diesen aber eh gegen jede Horde verteidigt – der Guide wollte es trotzdem nicht zulassen. Noch während wir uns unterhalten, raschelt es im Bambus und im nächsten Moment hangelt sich ein Jungtier herunter und  wartet direkt neben dem Eingangstor – dichter werden wir nicht mehr herankommen.













Auf einem kleinen Pfad geht es durch den Dschungel hindurch zur Besucherplattform. Zweimal am Tag werden die Orang-Utans – was sich mit „Mann des Waldes“ übersetzen lässt – gefüttert. Eine Garantie, dass sich tatsächlich auch Exemplare zeigen, hat man nicht. Da die Viecher aber nicht blöd sind, finden sich kurz vor Fütterungsbeginn neben den obligatorischen Chinesen und Koreanern, auch 6 Affen ein und lassen sich ihre zweite Mahlzeit schmecken. Denen geht’s besser als mir – mein Magen knurrt immernoch. Da die weiteren Pfade in den Dschungel aufgrund von Wartungsarbeiten geschlossen sind, laufen wir etwas später zurück Richtung Eingang. 

Wir müssen noch bis 18 Uhr warten, da will uns Gordon – ein 45jähriger Couchsurfer aus Sandakan – aufgabeln. Aufgrund der Krankheit seiner Mutter ist er sich noch nicht sicher, ob er uns hosten kann und so werden wir noch während wir warten auf ein Schild aufmerksam, welches eine nahegelegene Lodge mit Pool anpreist. Wir sind durchgeschwitzt, die Kleidung klebt an uns und es ist sehr verwunderlich, dass wir mit unserem Geruch die Affen nicht vertrieben haben, daher entschließen wir uns, die Nacht in Sepilok zu verbringen und erstmal zu duschen. Zumal die Lodge ein echt schönes Ambiente mit Teich und Dschungel vor der Haustür zu bieten hat. Gordon nimmt uns mit in die Stadt, wo wir zusammen eine Kleinigkeit essen und etwas quatschen. Er lädt uns ein und hat ein schlechtes Gewissen, dass wir in der Nacht in einem Hostel pennen und nicht bei ihm. 
Nach dem Essen nimmt er uns noch mit in seine Wohnung, an den Wänden kann man sein fotographisches Talent bewundern. Für den nächsten Tag besteht er drauf, dass wir seine Gäste sind. 

Aber zunächst mal stehen wir früh auf, um ins nahegelegene Rainforrest Discovery Center zu gehen. Da die meisten Touristen um diese Zeit den benachbarten Affen beim Essen zuschauen, haben wir die kleinen Trails weitgehend für uns allein. Vom 30m hohen Canopy Walk hat man einen schönen Ausblick über die grüne Hölle und kann mit etwas Glück auf Wildlife spotten. Wir haben Glück – zwei Squirrels bahnen sich direkt vor uns den Weg durchs Geäst. Als Models taugen sie leider nicht wirklich, immer wenn man sie gerade im Fokus hat, springen sie zum nächsten Ast – miesen Biester!

Wir nehmen noch einen kleinen Nebenpfad und laufen durch den Matsch. Sehen tut man nicht viel, riesige Ameisen kreuzen den Weg. Etwas kleinere Exemplare haben ihren „Highway“ direkt daneben – schier endlose Kolonnen bahnen sich durch den Wald. Als wir warten entdecken wir einen kleinen Wurm auf einem abgebrochenen Zweig, der uns seinen Kopf entgegenstreckt. Kaum hebt man den Ast auf setzt er sich Richtung Hand in Bewegung und legt dabei ein enormes Tempo vor. Er scheint Augen zu haben, denn sobald man den Zweig in die andere Hand nimmt, wechselt er seine Richtung. Während wir noch mit dem einen „spielen“ hat ein anderer Nicks Schuh in Besitz genommen und versucht sich Richtung Bein vorzuarbeiten. Der Versuch ihn mit einem Stock runterzustoßen erweist sich als schwierig, der haftet einfach zu gut. Ich hab so Viecher zwar noch nie vorher gesehen, aber ich vermute, dass es sich um Blutegel handelt. Allein der Gedanke daran und die Vorstellung von Würmern, die sich durch die Haut an einem festsaugen, um das Blut zu trinken, sind einem nicht geheuer. Wie wird man die Dinger danach eigentlich wieder los? Wir wissen es nicht und haben auch keine wirkliche Lust, das herauszufinden. Wir entwickeln eine regelrechte Blutegel-Paranoia und schauen alle paar Minuten, ob nicht wieder ein Wurm an einem hochkrabbelt.

Unbeschadet verlassen wir wieder den Wald. Nach einer kurzen Dusche geht es mit dem Bus weiter zur Krokodil-Farm, angeblich die größte in ganz Malaysia. So wirklich groß kommt sie uns nicht vor, was man von einigen Exemplaren aber nicht behaupten konnte. Aber in der Mittagshitze liegen die Handtaschen eher teilnahmslos in der Sonne rum…bis die Fütterung beginnt, plötzlich werden sie ja doch noch munter.





Neben den Krokodilen wird noch ein – definitiv nicht artgerechter – Kleintierzoo unterhalten. Bereits von weitem hört man ein Fiepsen aus einem der Beton-Gefängnisse. Als wir es erreichen entdecken wir zwei süße Fischotter, die versuchen senkrecht die Wand hochzugehen. Direkt über ihnen sind in durchsichtigen Plastikbottichen halbtote Fische in Sichtweite untergebracht, die der Besucher für ein kleines Entgelt verfüttern darf. Und in ihrer Zeit im Knast haben die Otter betteln gelernt – ist aber auch gemein, das Futter in Sichtweite zu haben und nix zu bekommen. Naja, mit uns treffen sie aber auf zwei Weicheier, die für derlei Bettelei empfänglich sind.

Gordon holt uns in seiner Mittagspause von der Krokodil-Farm ab, es gibt ein schnelles Mittagessen, danach zeigt er uns sein Kloster. Fotos in Gotteshäusern – egal welcher Art – aufzunehmen, ist mir nie wirklich geheuer. Erst nach mehrfachem Auffordern, schieße ich ein paar Fotos, während Gordon betet. Da er wieder zurück zur Arbeit muss, setzt er uns am English Tea House ab. Auf einem Hügel über der Stadt, haben wir bei einem guten Kuchen einen schönen Ausblick über die Stadt und das Meer. Wir sprechen darüber, wie wir die letzten Tage unseres Urlaubs verbringen wollen. 

Eigentlich hatten wir vor, den Mt. Kinabalu zu besteigen, was ca. 150 Euro kosten sollte. Nachdem wir dann aber einen neuen Preis von 300 Euro pro Person genannt bekommen, ist uns das definitiv zu viel. Zumal wir auch noch etwas Stand und Sonne abbekommen möchten, entschließen wir uns, nach Langkawi zu fliegen – ein Inselparadies im Nordosten Malaysias. Die Absprache mit Ken, Wayne und Julia laufen bereits wann und wie wir am besten dort hin gelangen, als uns Gordon wieder abholt. Er hat am Vorabend von der spontanen „Preiserhöhung“ mitbekommen und hat seine Arbeitszeit (er ist Filialleiter einer Bank) dazu genutzt, für uns etwas Recherche zu betreiben. „Gute Nachrichten für uns“ wie er mein – er hat uns die Mt. Kinabalu-Tour für ca. 150 Euro arrangiert. Das war´s dann mit dem Standurlaub, aber so ne Chance muss man einfach nutzen.

Abends gehen wir Lobster essen und machen anschließend noch einen Abstecher in sein Lieblingsrestaurant für Stachelrochen – die Dinger sehen unter Wasser nicht nur gut aus, sie schmecken auch hervorragend! Nach dem Essen schauen wir noch kurz in seinem Elternhaus vorbei, um das er sich aufgrund der Krankheit seiner Mutter auch kümmern muss. Wir erfahren von seiner Abneigung gegenüber Gekkos, da die das Haus verschmutzen. Ich mag die kleinen Eidechsen eigentlich, aber als er das Blasrohr rausholt, packt auch mich das Jagdfieber. Während ich verfehle, macht er es aber deutlich „besser“ und zerlegt einen, der dummerweise direkt auf dem Hausaltar stirbt – das darf natürlich nicht sein. Um Vergebung bittend werden ein paar Rauchstäbchen angezündet.

Die Nacht verbringen wir in den wohl bequemsten Betten bisher. Während wir ausschlafen, kümmert sich Gordon noch um Teile unserer Wäsche, organisiert den Bus in den Kinabalu-Nationalpark und besorgt uns Reiseproviant. Als er uns um kurz nach 12 Uhr in seiner Mittagspause abholt, sind wir gut erholt und haben fast ein schlechtes Gewissen. Die zwei Tage in Sepilok und Sandakan bleiben definitiv in guter Erinnerung – Couchsurfen ist einfach eine gute Möglichkeit fürs Reisen.

Roadtrip in Borneo



Nachdem unser erster Tag auf Borneo hauptsächlich unserer Faulheit zum Opfer gefallen ist (mussten einfach ein bisschen Schlaf aufholen). Haben wir nachmittags Kota Kinabalu zu Fuß erkundet. Wirklich viel zu bieten hat diese Stadt nicht. Einzig ein Island Hoping auf drei vorgelagerten Inseln verspricht etwas. 







Nachdem wir uns diesen Trip zunächst für den Folgetag vorgenommen haben, verschieben wir die Idee nochmal, alswir hören, dass Marc und Ken an diesem Tag erst um 8 Uhr aus Singapur anreisen. Deutlich zu spät um den Nachtbus nach Semporna zu nehmen. Da es aber auch keinen Sinn macht den Tag über 9 Stunden im Bus zu sitzen, planen wir zusammen mit den Jungs am 3. Januar die Inseln zu erkunden. Eine Alternative für den 2. Ist schnell gefunden. Als wir abends zurückkommen, buchen wir eine Tour nach Poring. Ein Ort, der für seine Dschungellage, den Canopy Walk und seine heißen Quellen bekannt ist. Dabei lernen wir Charlotte aus Dänemark kennen, die am nächsten Tag mit uns unterwegs sein wird. Gerade 20 geworden, reist sie die letzten Wochen ihrer 3monatigen Tour alleine durch Südostasien, da ihre Freundin aktuell eher an einem Ami interessiert war.

Am nächsten Morgen geht’s zunächst zwei Stunden durch die Berge hinauf auf 2.000m. Man merkt den Höhenunterschied deutlich am Druck auf den Ohren. Prince, unser Guide, hat zumindest anteilig noch Blut der Kopfgeldjäger in sich und erzählt uns, dass diese „Tradition“ noch bis in die 50er des letzten Jahrhunderts beibehalten wurde. Erste Anlaufstation ist der Fruchtmarkt, auf dem wir uns ein 2. Frühstück gönnen – fritierte Bananen – und uns einen Vorrat an Mangostan kaufen (die Frucht ist teuflisch lecker!!). Nach einer kurzen Pause geht es direkt weiter in den botanischen Garten, weitgehend naturbelassen schlängeln sich kleine Wege durch das Gestrüpp. Wir lernen allerlei wissenswertes fürs Überleben im Dschungel – Wasser bekommt man aus Lianen (man sollte aber nicht das Grüne trinken), Pilze sollte man nur essen, wenn Insekten drauf rumkrabbeln und zu guter letzt, wenn einem im Dschungel die Kondome ausgehen, kann man auch getrost den Köcher der fleischfressenden Köcherpflanzen benutzen. Na dann, wir sind jetzt jedenfalls vorbereitet und fahren zum Lunch in ein kleines Restaurant. 

Neben dem Essen – zuviel Reis und zuwenig Huhn – beschäftigt uns vor allem die Frage, warum Coco, die 4. Mitreisende, nicht mit uns, sondern bei den Guides am Tisch sitzt. Nachdem sie dann später noch von anderen Guides wie eine alte Bekannte begrüßt wurde, obwohl sie lediglich 4 Tage auf Borneo ist, gehen wir fest davon aus, dass sie für den Ausflug nicht bezahlen musste – jedenfalls nicht mit Geld.





Weiter geht’s zu den heißen Quellen, aber zunächst steht ein Canopy Walk an. Canopy habe ich bereits in Kolumbien gemacht, an einem Stahlseil angebracht braust man auf einer Rolle gen Tal. Hier haben wir es aber mit einem Canopy Walk zu tun. Der Unterschied, keine Rollen dafür „sehr stabile“ Hängebrücken in ca. 40m Höhe. Zunächst dürfen wir diese Höhe aber erstmal erklimmen und folgen dem schlammigen Weg den Hügel hoch. Um uns herum allerlei Gestrüpp, riesige Bäume und Lianen und nicht zu vergessen: Spinnennetze! Nicht die kleinen etwa, nöö.. Hier nehmen die Netze Ausmaße an, die durchaus mal 3m hoch und bis zu 8m lang sein können. Allerlei Blätter haben sich hierin verfangen, weshalb man sie gut erkennen kann – lediglich Spinnen haben wir keine gesehen.






Als wir beim Einstieg in den Canopy Walk ankommen, warten bereits 15 Leute vor uns. Aus Sicherheitsgründen dürfen zeitgleich nur 6 Personen auf die Bretter. Dies ist jedenfalls dem Schild zu entnehmen, aus dessen malaysischer Aufschrift ich zudem lerne, dass „Person“ in Malaysisch mit „Orang“ übersetzt wird. Also wieder was gelernt, die rötlichen Menschenaffen, die wir in den kommenden Tagen auch mal besuchen werden, haben ihren Namen nicht wirklich von ihrer Fellfarbe. Naja um das Schild kümmern sich die wenigsten. Vor uns marschiert eine übergewichtige russische Familie, von der man eh maximal nur hätte drei auf einmal auf die Seile lassen dürfen. Tiere sieht man nicht wirklich viel, dafür kann man die Höhe und den Ausblick genießen. Lediglich einmal springt ein dunkles Fellknäul von Baum zu Baum in unserer Nähe. Wir machen dummerweise die Russen auf es aufmerksam. Aufgeregt mit durchdringender Stimme will die Mutti ihren Sohn ebenfalls in Kenntnis setzen und vertreibt das Vieh (wahrscheinlich ein Flughörnchen). Wer wills ihm verübeln!

Noch ein kurzer Abstecher zu einem kleinen Wasserfall und zurück zu den heißen Quellen, wo wir uns ein kleines Fußbad im sehr schwefelhaltigen Wasser gönnen. Ganz nett, um die müden Beine zu relaxen. Danach geht es heimwärts, doch der Weg zieht sich staubedingt ziemlich in die Länge. Abends im Hotel stoßen Marc und Ken zu uns; die beiden wurden ebenfalls von Des am Airport abgeholt. Direkt geht es zum Night Market. Laut Lonely Planet die günstigste Alternative, um was zu essen. Das hätten wir eventuell auch mal den Leuten dort erzählen sollen. 

Für uns gibt es Squid, King Prawn, Stachelrochen, Fisch und Seegras. Gut, jeder hat etwa 7 Euro gezahlt – wir sind wohl etwas verwöhnt. Insbesondere vom Squid und Stachelrochen bin ich überzeugt. Beim Seegras hingegen, was ja gerne als Alternative für das weltweite Hungerproblem genannt wird… naja, hoffen wir, dass wir das Problem anderweitig in den Griff bekommen. Der Geschmack ist vergleichbar mit dem, den man hat, nachdem man beim Bodyboarden eine Welle perfekt erwischt und schön durchgeschüttelt wird, um danach den Sand und das Wasser wieder auszuspucken. Ja, doch das kommt in etwa hin. Die Jungs haben aus dem Duty Free zwei Flaschen Rum und Wodka mitgebracht – der Abend wird lang! Die geplante Inseltour am nächsten Morgen fällt buchstäblich ins Wasser. Angesichts heftigen Niederschlags sind wir uns alle recht schnell einig, dass es kontraproduktiv sei, nach 5 Stunden bereits das Bett zu verlassen. Gegen Mittag besorgen wir uns die Tickets für den Nachtbus nach Semporna und verbringen den Rest des Tages recht entspannt mit Karten spielen in einer Aussie-Bar am Hafen. 


Charlotte entschließt sich mit nach Semporna zu kommen, also setzen wir die Tour zu fünft fort. Die Straße windet sich durch den Dschungel und ich werde recht bald eine Seekrankheits-Pille schlucken, zumal mir die Nebenwirkung (man wird müde) gut zupass kommt. 9 Stunden später kommen wir kurz vor 5 Uhr an unserem Zielort an, wo sich eine Horde Taxifahrer wie die Geier auf uns stürzt! Noch etwas desorientiert wollen wir uns erstmal zurecht finden und reagieren etwas angepisst auf die Penetranz. Der Entschluss fällt dann aber schnell und wir laufen Richtung Hafen, sind nur circa 30 Minuten und um die Zeit haben wir eh nichts besseres zu tun. Ein Restaurant hat durchgängig geöffnet, für mich gibt’s eine Art Bananen-Crepes. Ansonsten sticht der Service vor allem dadurch hervor, dass zwei von fünf bestellten Speisen schlicht weg vergessen werden. Naja, immerhin gibt’s Wifi und wir können uns etwas erkundigen.

Kurz nach Sonnenaufgang gehen wir zu den verschiedenen Touranbietern, um uns zwecks Überfahrt nach Mabul – einer kleinen Insel mit einigen Ressorts, die vor allem bei Tauchern beliebt sind – zu erkundigen. Wie sich recht bald herausstellt, hätte man solche Trips besser im Voraus gebucht; Touren nach Sipadan  - einem der Tauch Top-Spots der Welt - sind quasi ausgebucht und obendrein verdammt teuer. Während Nick und Ken noch die verschiedenen Touranbieter abklappern und nach Angeboten für 5 Personen suchen, kommt Charlotte an uns vorbei. Sie hat selbst bei einem Anbieter nachgefragt und scheinbar ein gutes Angebot erhalten – irgendwie war sie wohl anderer Auffassung über unsere Gruppengröße.
Was soll`s, ne Stunde später sind wir ebenfalls auf der Insel. Nach der langen Busfahrt steht uns der Kopf nach Strand und Hängematte, doch diese Hoffnung soll enttäuscht werden. Denn die Insel ist ausschließlich auf Taucher ausgelegt. Neben vielleicht ein Dutzend Tauchbasen gibt es noch ein Fischerdorf, was scheinbar hauptsächlich von Kindern bevölkert wird. Wirklich viel Abwechslung hat Mabul nicht zu bieten. Nachmittags geht’s zum ersten Schnorcheltrip, der eher enttäuschend verläuft. Außer ein paar 0815-Fischen gibt es nicht viel zu entdecken. Viel besser soll dann der zweite Tag werden. Direkt nachdem wir ins Wasser springen, tauche ich ein paar Meter runter und gleite über die Korallen, als eine schwarz-weiß gestreifte Seeschlange aus selbigen direkt vor meiner Nase hervorschießt. Die Dinger sollen tödlich giftig sein, ich schrecke zurück. Sofern das unter Wasser geht. Als Mark und Nick hinzukommen, verfolgen wir sie noch ein bisschen – mit gebührendem Abstand. Später sichten wir noch eine große Meeresschildkröte, die vor uns durchs Wasser gleitet.

Am Nachmittag fahren wir etwa 30 Minuten zur benachbarten Insel, wobei man bei Kapalai nicht von einer Insel sprechen kann. Mehrere Resorts, deren Stelzen sich ins Riff bohren, umgeben eine Sandbank, auf der noch nicht mal eine Palme Platz findet. Dafür hat man aber ein schönes Riff direkt vor der Haustür und uns gelingt es, einen Oktopus zwischen den Korallen auszumachen – im nächsten Moment erfüllt er sein Cliché und passt sich seinem Hintergrund an. Insgesamt ein schönes Schnorchelrevier, wir entdecken neben allerlei Fischen auch noch eine Moräne und einen Stachelrochen. Abends wird bei zwei Flaschen geschmuggeltem, philipinischem Rum (deutlich günstiger, als die einheimischen Getränke) der Abschied von Mark zelebriert. Am nächsten Tag geht’s für Ken und ihn zurück nach Kota Kinabalu und Kuala Lumpur, während Nick und ich noch einen Tag in Semporna verbringen und dann weiter nach Sandakan fahren.